Off The Beaten Track – Travelblog

Rumänien – Karpaten – E8

  • Rumänien – Karpaten – Fernwanderweg E8

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Livetrack


 

Warum ?

Warum Rumänien ? Warum in ein Gebirge wo Bären und Wölfe heimisch sind und zum Alltag gehören ?
Weil mir zwei wundervolle rumänische Handwerker von Ihrer Heimat Kronstadt und die umliegenden Gebirgszüge erzählt haben. Freundliche, super hilfsbereite Menschen, unberührte und spärlich erschlossene Wandergebiete in einer Region die vom deutschen Wandermainstream noch nicht entdeckt wurde. Außerdem gibt es einen lange Zeit nicht  eindeutig definierten Fernwanderweg , welcher den gesamten Karpatenbogen mit seinen vielen hohen und flachen Gebirgen durchquert.
Der Fernwanderweg E8 beginnt in Dursey Head in Irland und führt über England, Niederlande, Deutschland, Österreich, Slowakei, Polen, (Ukraine), Rumänien, Bulgarien über 7500 km in die Türkei nach Istanbul. Die Wegstrecke des E8 mit GPS-Daten in Rumänien wurde erst 2017 festgelegt. Start des rumänischen Teil des E8 ist der ukrainisch-rumänische Grenzübergang Sighetu Marmatiei. Nach etwa 1460 km und durch den ganzen Karpatenbogen endet der rumänische Teil des E8 am Grenzübergang Dobera-Turnu Severin.
Pierre und ich kennen nun schon ein wenig den Balkan, aber mit der rumänischen Wildnis haben wir noch keine Erfahrung. Daher planen wir unsere vierzehn tägige Wanderung im noch ganz ordentlich mit Berghütten erschlossenen Gebiet um Kronstadt und wollen dort Teile des Fernwanderweges E8 laufen. Euch erwartet an dieser Stelle ein Livebericht vom Fernwanderweg und den Bergen mit den zugehörigen GPX-Daten. Wenn Ihr Lust bekommen habt lest den Blog, kritisiert, verbessert  oder nutzt einfach die Daten für eine eigene Wanderung.   

 

 Planung

Für die geplante Wanderung müssen wir aufgrund der unsicheren Bewirtschaftung der Hütten wohl oder übel ein Zelt, Isomatte und unseren kleinen Primus Gaskocher mitschleppen. Falls es uns doch noch gelingt eine durchgehende Reservierungskette der Unterkünfte sicher zu stellen bräuchten wir erst ab dem zehnten Tag wenn’s ins Fageras geht unsere Zeltausrüstung. Diese könnten wir uns dann ins letzte befahrbare Tal bringen lassen. Ich bin gespannt wie es ausgeht. 

Wie in den letzten Jahren, werden wir mit über unsere elektronischen Helferlein Android mit der App OSMand navigieren. Für den Blog und die Navigation haben wir drei kleine Geräte (2 Smartphones / 1 Tablet) auch wegen der Ausfallsicherheit dabei. Mit drei Powerbanks a 10.000 mAh sind wir in der Lage über die Smartwatch Garmin fenix 5 plus mindestens vier Tage ohne Stromnetz den Track zu loggen, zu navigieren und den Blog zu schreiben. Die Smartwatch von Garmin ist für das Loggen des Tracks ideal, da sie einen Tag Trackaufzeichnung durchhält und dabei nur 1/5 der Energie eines Smartphone Akkus benötigt. 

Für die Übernachtung im Freien ist wegen der Bärenpopulation die Ausrüstung noch etwas angepasst worden.
Bärenklingel am Rucksack- klingelt wenn ein Bär in der Nähe ist ;-).
10-12 m Seil um den Rucksack in der Nacht an eine Ast zu hängen. Pfefferspray – ich weiß nicht ob es hilft, oder ob ich man im Fall der Fälle überhaupt in der Lage ist es zu verwenden – aber es war eine Empfehlung aus einem Ratgeber. Ich hoffe ich brauch es nicht, dann dient es wenigsten zur Gewissensberuhigung.

Tag 1: Wanderung (5,4 km  / AUF 930 m / AB 80 m) – Brasov – Dambul Morii zur Cabana Piatra Mare über die Schlucht Canionul Sapte Scari
Unterkunft: Cabana Piatra Mare  +40-744-322632, eMail: yo6hsh@yahoo.com (war bei uns per tel/eMail nicht erreichbar)

Tag 2: Wanderung (7,9 km / AUF 280 m / AB 1040 m)  – Cabana Piatra Mare – Timisu de Sus über Cascada Tamina und zurück per Anhalter nach Brasov
Unterkunft: Hotel Domeniul Dâmbu Morii +40 771 700 800

Tag 3: Wanderung E8 Etappe 49  / Rother 57 ( 9,4 km / AUF 1170 m / AB 270 m) – Brasov – Gipfel Varful Postavarul – Cabana Postavarul
Unterkunft: Cabana Postavarul +40368 101 036

Tag 4: Wanderung E8 Etappe 50 / Rother 58 ( 16,5 km AUF 814 m / AB 1074 m) – Cabana Postavarul – Cabana Secuilor  – Cabana Trei BraziCabana Diham
Unterkunft: Cabana Diham +40.726.203262

Tag 5: Wanderung E8 Etappe 51 zur Hälfte ( 9,2 km / AUF 1500 m / AB 100 m  )  Cabana DihamCabana Omu
Unterkunft:  Cabana Omu  +40 744 567 290

Tag 6: Wanderung  E8 Etappe 51 zweite Hälfte  (14 km  AUF 130 m / AB 1860 m)  bis Bran – hier gibt es viele Unterkünfte und Restaurants
Unterkunft:  Pension Casa Pandrea  / Strada Ioan Picu Băncilă 2 / 507025 Bran / Rumänien  +40 740 237 247

Tag 7: Wanderung Etappe E8 52 ( 13,7 km / AUF 1404 m / AB 728 m) Ortschaft Bran zur Hütte Cabana Curmatura
Unterkunft: Cabana Curmatur  +40.745.454184 (keine Reservierung möglich Hütte voll – nur Zelt am Zeltplatz um die Hütte )

Tag 8:  Wanderung oder Ausruhtag / Rother 48 Gratwanderung Königstein  ( 6,5 km / AUF 700 m / AB 700 m / 6,5 h) zurück zur Hütte Cabana Curmatura
Unterkunft: Cabana Curmatura  +40.745.454184

Tag 9: Wanderung E8 Etappe 53 (11,4 km / AUF 930 m / AB 1510 m) Cabana Curmatura  – Cabana Plaiul Foij
Unterkunft: Cabana Plaiul Foij +40 726 380 323 (telefonisch und per eMail für uns vorab nicht erreichbar)

Kartenmaterial ist verfügbar (siehe Links), leider nur in zu großem Maßstab für Wanderungen (1:70 000) oder in geeignetem Maßstab  für sehr kleine Gebiete. 

LINKS

E8 – hier findet ihr die GPX Files zum  downloaden (die Datei einfach per copy & paste in den Editor kopieren und unter einem Namen xxx.gpx abspeichern)

E8 – Kartendarstellung mit eingezeichnetem Verlauf

E8 – Teilstücke erklärt von Camillo Pötsch 

Wanderkarte Papier – Piatra Craiului – Bucegi – Postavarul – Piatra Mare – Ciucas (1:70.000)

Wanderkarte Papier – Fagaras  – Doppelkarte (1:75.000 / 1:35.000)

Wanderkarte Papier – Postavaru – Piatra Mare – Baiului (1:45.000)

Wanderführer Rother Südkarpaten 

Anreise – München – Sibiu – Brasov (13.07.2019)

7:00 Flughafen München. Wieder einmal ersparen uns die beiden Rucksäcke mindestens eine Stunde Wartezeit am Schalter, weil sie direkt am wenig frequentierten Sperrgepäckschalter aufgegeben werden dürfen. Sicherheitskontrolle, Passkontrolle alles läuft sehr organisiert mit bayerischer Bestimmtheit und deutscher Korrektness ab.

Anflug auf Sibiu

Nach eineinhalb Stunden Flug und zwei Stunden Zeitverschiebung erreichen wir um 11:30 Sibiu (Hermannstadt).

Ankunft in Sibiu

Alles läuft wie am Schnürchen. Laurentiu sammelt uns am Flughafen auf und macht noch einen Abstecher beim Explorer Outdoorshop in Sibiu und dann geht es auf 130 Landstraßenkilometer nach Brasov (Kronstadt). Einige transsilvanische Spezialitäten lernen wir sehr schnell. Sicherheitsgurte sind unpopulär und werden nicht verwendet. Das lästige Warnpiepen wird mittels eines Sicherheitsgurtdummysteckers eliminiert.

Gurtpflicht ?!?

Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Richtwerte und werden gerne einmal um den Faktor zwei überschritten. In Kurven muss die eigene Spur verlassen werden und die Gegenfahrbahn möglichst in voller Breite befahren werden. Der Überraschungseffekt wenn doch einmal ein Fahrzeug entgegen kommt
verhindert das Einschlafen der Verkehrsteilnehmer. Strecke Sibiu – Fageras flach und landwirtschaftlich geprägt. Viele leerstehende Häuser. Nach Fageras wird die Landschaft hügeliger und die kleinen Städte wirken lebendig und ansprechend. Brasov liegt am Fuße des Karpatenbogens, der wie ein Hufeisen Brasov südlich umschlingt. Drei Uhr Mittag – wir gehen von unserer Pension Stejris der hinunter in die Stadt.

Pension Stejris


Brasov, eine tolle sehr gepflegt Stadt mit alten Häusern aus der Zeit um 1900.

Brasov Zentrum

Die Fußgängerzonen top renoviert, außerhalb eine Bausubstanz mit deutlichem Renovierungsrückstand.

Regenschauer in Brasov

Mehr oder weniger zufällig fallen wir in das unserer Meinung nach beste Cafe in Brasov. Bei der Auswahl an Kuchen müssen wir unbedingt einen weiteren Besuch einplanen.

Cafe Saray Brasov

Die Stadt mit ihren vielen Restaurants und Cafes macht auf uns einen ruhigen, entspannten Eindruck.

Wunderschöne Innenstadt Brasov


Hoch über dem Zentrum hängt nach amerikanischem Vorbild gut sichtbar bei Tag und bei Nacht der Schriftzug BRASOV.

Blick auf die Altstadt von Brasov

Ein echter Geheimtip zum Abendessen ist das Restaurant Roata Norocului etwas außerhalb des Stadtzentrums.
Erkenntnis – wer nicht an der Straße läuft, der länger lebt.

Bilder kommen morgen. 

 

Tag 1 – Timisu de Jos (Brasov) – Cabana Piatra Mare  12 km / 1000 Hm (14.07.2019)

 

E8 Fernwanderweg Information:

Wir haben (noch) keine Markierungen zum E8 gefunden.

Der eigentliche Wegverlauf des E8 erfolgt entgegen unserer Laufrichtung von der Hochebene des Gipfels Piatra genauer gesagt von der Stana Piatra Scrisa (siehe morgige Tour) über die Hütte Piatra Mare hinunter zur Schlucht Sampte Scari und weiter nach Timisu de Jos. Diese Laufrichtung ist sehr ungünstig, da es verboten ist die imposante Schlucht von oben nach unten zu begehen. Man verpasst also den schönster Teil, oder man steigt von unten noch einmal in die Schlucht ein. Wenn Ihr den E8 geht ist es vielleicht besser die Route etwas abzuändern. 

Für alle die es einmal nach Brasov verschlägt ist die Pension Stejris zu empfehlen. Heute morgen überrascht uns ein aus liebevoll und individuell zubereitetes Frühstück aus lokalen Produkten.

Frühstück in der Pension Stejris

Für den Vegetarier gab es einen Gemüseteller mit Käse und zwei Spiegeleiern und selbstgemachte Pfirsichmarmelade. Um 8:30 sind wir startbereit. Heute ist Premiere – wir Ubern zum ersten Mal. Auf die Minute pünktlich steht das Uber-Taxi vor der Tür und bringt uns zum Startpunkt der Tour nach Timisu de Jus. Wegen fehlender Internetverbindung bezahlen wir Cache – das war ja einfach.
Endlich geht es los. Heute wollen wir durch die Schlucht Sapte Scari zur kleinen Berghütte Piatra Mare auf 1635 m aufsteigen.

Start in Timisu de Jos

Nach einigen Warnhinweisen zur Bärenpopulation in diesem Gebiet zieht sich der breite Schotterweg am Bächlein entlang.

Nach 300 m auf der linken Seite bewegt sich an einem Baum etwas – langsam nähern wir uns an und wir können es nicht fassen. Es ist genau so wie es uns alle Daheimgebliebenen prophezeit haben. Wir stehen direkt vor unseren ersten Beeren.

Die ersten Beeren

 


Eine solche Vitaminspritze am Morgen kann ich nicht auslassen und kaufe ein, Körbchen der frisch gepflügten Beeren.
Wir wundern uns über die Stahlseile, welche sich von Baum zu Baum den Bachlauf hinauf ziehen. Nach und nach wird es klarer. Hier wurde ein riesiger Flying Fox ( Seilbahn in die man sich mit seinem Klettergurt einhängt und von Baum zu Baum rollt) mit mehr als 30 Sektionen gebaut. So ist es möglich vom 3 km entfernten und 200 Hm höher gelegenen Einstieg in die Schlucht über die Seile hinunter ins Tal zu gleiten.

Flyung Fox Sektion

Leider führt unsere Tour nur über diesen Weg bergauf, so dass wir den Mega Flying Fox nicht testen können.
Unterhalb dem Eingang zur Scari Schlucht bezahlen wir noch 10 Lei Eintritt und schon geht es rein die kaum fünf Meter breite Schlucht. Bereits die zweite Leiter führt unterhalb eines Wasserfalls senkrecht mehr als 15 Meter die Wand hinauf. Wasser von oben macht die Tritte und den Handlauf glitschiger als es einem lieb ist.

Steile Leiter in der Schlucht Sapte Scari

Über sieben Leitern und einige Podeste geht es durch die enge Schlucht. Das Wasser ist mal über und und mal unter uns.

Schlucht Sapte Scari

Schade – nach einer halben Stunde ist das Naturschauspiel schon wieder vorbei. Der Weg zieht sich steil im schmal eingeschnittenen Tal hinauf. Die letzten Touristen haben wir hinunter uns gelassen und steigen einsam in urwaldähnlicher Umgebung hinauf.

Nach gut drei Stunden Gehzeit erreichen wir das Ende des Taleinschnittes und stehen auf einer grasigen Hochebene. Direkt vor uns die Ruine der alten Hütte Piara Mare und 100 m entfernt die kleine neue Hütte.

Die Ruine der alten Hütte Piatra Mare

Die Wolken werden dichter und ein dumpfes Donnergrollen erfüllt die harmlose Bergwelt.

Hütte Piatra Mare

Begrüßt werden wir von den fünf Lasteseln der Hütte. Es ist 12 Uhr und wir haben einen ordentlichen Hunger. Kartoffelsuppe, Bier und zum Nachtisch eine Spezialität Salam de Bisquiti ( für uns ähnlich Kalter-Hund nur nicht o hart und süß).

Gaststube

Ein Lager für die Nacht gibt es auch und so ist der erste Tag gerettet. Für alle die auf der Hütte Piatra Mare reservieren wollen ist wichtig zu wissen, das die Telefonverbindung nur sporadisch funktioniert und man daher besser eine SMS schreibt. Die Hüttenwirtin antwortet dann gerne und die Reservierung klappt. Die Hütte ist urig. Alles spielt sich in zwei Räumen ab. Gaststube, Küche und über eine geöfnete Decke hat man den direkten Blick ins darüber liegende Lager (10 Plätze).

Lager auf der Hütte

Wenn wir Glück haben trauen sich die Wanderer bei dem nassen Wetter nicht hinauf und wir haben das Lager für uns alleine.
Wir haben Zeit und so kann ich gemütlich etwas schreiben und Pierre flickt seine Hose.

Pierre bei der Arbeit

Es ist Abend geworden und wir haben die Speisekarte das zweite Mal hoch und runter gegessen. Das Frühstück für morgen haben wir auch klar gemacht – hier müssen wir uns nicht umstellen. Eier, Brot und vielleicht noch einmal Kartoffelsuppe. Eine Sache sollte nicht unerwähnt bleiben. Die Hütte liegt auf einem kleinen Plateau. Wasser ist knapp und so muss die Versorgung und Entsorgung wohl überlegt sein. Das stellt sich in der Praxis so dar, das die Frischwasserquelle am Rinnsal 100 m entfernt vom Haus  liegt und unterhalb im Wald gut 200 m entfernt von der Hütte der Premiumdonnerbalken platziert ist.

Premiumdonnerbalken 

Da überlegt man sich genau ob man muss und wann man muss.

Tag 2 – Cabana Piatra Mare  – Timisu de Jos 12,5 km / 300 Hm (15.07.2019)

Halb Sieben ich schau aus dem Fenster – Milchsuppe. Kaum 50 m Sicht. Wir hängen mitten in den Wolken.

Hütte Piatra Mare heute Morgen in Wolken

Die Hüttenwirtin ist gestern doch noch ins Tal abgestiegen und so wird es zum Frühstück wieder Kartoffelsuppe mit Ei geben. Wir haben Glück – die Kartoffelsuppe ist aus, es gibt Omelett und Kaffee.

Deftiges Hüttenfrühstück

Langsam werden wir mit dem Hüttenwirt warm. Er spricht mit uns und empfiehlt die beste Wetterapp (meteoblue) für die Region. Dann zeigt er uns wie vor einigen Wochen zwei Bären direkt vor der Hütte am Müllofen gegessen haben. Denen will ich nicht begegnen – sie sind größer als ich gedacht habe. Vielleicht schaffe ich es Euch das Video einzustellen. Es hat geklappt – danke an Jan der den Clip so schnell erstellt hat. 

 

 

Gegen halb neun ziehen wir los, die Wolken hängen tief und die Luft ist nieselfeucht.

Aufstieg zum Varful Piatra Mare

Schon nach wenigen Minuten treffen wir auf zwei Schäfer, die mit Ihrer Herde in Richtung der Hütte ziehen. Die Schafe mit ihren Korkenzieher-Hörnern sehen lustig aus.

Mitten in der Schafsherde

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir den Gipfel Piatra Mare auf 1855 m. Gut die Aussicht ist sehr mager und beschränkt sich auf ein paar Meter um uns herum, aber wenigstens regnet es nicht.

Am Gipfel des Piatra Mare

Über die Grashügel der Gipfelkette des Varful Piatra Mare steigen wir zur Waldgrenze ab.

Abstieg vom Gipfel des Piatra Mare

An der  Stana Piatra Scrisa Schäferhütte verläuft der Fernwanderweg E8 links nach Süden. Wir folgen dem Weg zur Cascada Tamina und weiter nach Tamisu de Sus. Es beginnt zu regnen und hört leider auch nicht mehr auf. Steil und matschig ist der Abstieg zur Schlucht Cascada Tamina.

Nasser Abstieg

Es regnet leider immer noch, doch wir nehmen den Abstieg in die Schlucht. Der Hinweis auf der Tafel, das sich hier wegen der Abgeschiedenheit und der Lage und der großen Population viele Bären aufhalten, nehmen wir sehr ernst und steigen unter lautem Pfeifen und Klingeln hinunter zum Bach.

Warnhinweis im Bärengebiet

Die Schlucht ist eng und der Weg hinein führt über ein Provisorium von Brettern und Leitern. Weiter hinten erkennen wir eine lange Leiter unter einem Wasserfall.

Schlucht Cascada Tamina

Aufgrund des Regens wollen wir nicht tiefer in die enge Schlucbt hineinsteigen und entscheiden uns umzukehren.

Wieder zurück auf dem Wanderweg erreichen wir nach einer halben Stunde Matschabstieg die Hauptverbindungsstraße zwischen Brasov und Bukarest. Unsere Kleidung ist gezeichnet vom Matsch und Regen. Trotzdem hält schon nach weniger als fünf Minuten daumen-raus-hängen ein Dacia an und lässt uns einsteigen. Der Beifahrer schaut Zeichentrickserien und der Fahrer braust die regennasse Straße im typisch rumänischen Überholstiel hinunter. Wir kommen uns vor wie bei einer Ralley nur dass vor uns nicht die Fans zur Seite springen, sondern der überholende Gegenverkehr wieder auf die eigene Fahrbahn einschert. Ich bin so beeindruckt, das ich nicht merke das unser Fahrer an unserer Unterkunft vorbeigeschossen ist. OK – das bedeutet – raus in den Regen und eine halbe Stunde zurück wandern. 

Die Unterkunft das 3 Sterne Hotel Domeniul Dambu Morii ist das Kontrastprogramm zu Hütte gestern.

Leider war heute ein Regentag und der Pool viel zu kalt

Ich möchte feststellen, das Personal ist überaus tolerant. Den See welchen unsere triefnassen Kleider hinterlassen haben nehmen sie locker hin.

Ganze Arbeit – der Stuhl hat kollabiert

Selbst der Tuborg Balkonstuhl der unter meinen 90 kg kollabierte wurde sehr zuvorkommend zur Reparatur abtransportiert.

Der zerlegte Stuhl wird abtransportiert

Das war eine Komplettzerlegung. Die Erfahrung zeigt – die wahren Gefahren liegen meist im Verborgenen. 

 

Tag 3 – Timisu de Jos – Cabana Postavaru 15 km / 1200 Hm (16.07.2019)

Das Frühstücksbuffet ist sehr umfangreich und eine willkommene Abwechslung zum Hüttenessen. Wenn wir einmal wieder in die Verlegenheit kommen ein Hotel auszuwählen wird es eines mit vier Sternen. Dann halten hoffentlich die Stühle mehr als nur 90 kg aus und die Verunreinigungen auf dem Tischtuch der letzten Gäste werden nicht durch die Serviette und das Besteck überdeckt, sondern gewechselt.

 

Genug gemeckert – jetzt geht es los. Wir laufen wieder zur uns bekannten Hauptstraße und versuchen zu trampen.

Trampen geht schneller als Ubern

Das klappt prima. Nach drei Minuten stoppen zwei nette ältere Herren und nehmen uns die drei Kilometer zu unserem Toureinstieg mit. Wichtig für die Zukunft – immer etwa Kleingeld dabei – vereinfacht die Bezahlung. 2 Lei (50 Cent) war auch ein Sparpreis der Senioren. Wir  geben einen Zehner und marschieren im Sonnenschein im Tal entlang.

Sendezentrale Brasov 😉

 

Weg im Tal bei Halta

In Halta zieht der E8 linksseitig dem Bach entlang und dann auf der Kante steil den Waldhang hinauf. Urwaldähnlicher Laubwald zieht sich weit bis auf 1450 m. Laut pfeifend und mit den Bärenglocken klingelnd ziehen wir den Pfad bis zum Übergang in den Nadelwald hinauf.

Steile Bergwiese

Dann wird es richtig anstregend. Die Strecke ist gut mit blau weißen Zeichen markiert, nur leider gibt es keinen Weg dazu. Es ist sehr steil und der Sturm hat unzähligen Bäume kreuz und quer in unsere Route geschmissen. Oben rum, unten rum und über die Bäume kämpfen wir uns schlußendlich über eine Wiese und einen weiteren steilen bewaldeten Hang bis zum Gipfelgrat des  Varful Postavaru (1799 m) hinauf.

Mühsamer Aufstieg über Sturmholz

Hier steht das für uns erste Zeichen zum Fernwanderweg E8. 

Zu unserer Enttäuschung sind wir hier nach dem einsamen Aufstieg nicht alleine. Der Touri-Highway führt von der 500 m entfernten Gondelstation direkt über den mit Eisengeländer gesicherten Gipfelaufstieg des Varful Postavaru.

Gipfel Postavaru (1799 m)

Naja – die grandiose Aussicht auf Brasov, den gestern bestiegenen Piatra Mare und das Königsteinmassiv entschädigt für die ein oder andere peinliche Selfiedarstellung auf dem Gipfel. Es ist 13 Uhr und die Wolken verdichten sich wie in den letzten Tagen. Wir verlassen den Gipfel und den Gondelbereich und steigen einige hundert Meter hinunter zur Hütte Postavaru.

Cabana Postavaru

Wie schon beim Aufstieg entdecken wir am Weg Losungen von Tieren. Laut klingelnd und pfeifend erreichen wir die sehr komfortable Hütte.

Liebevolle Einrichtung drr Cabana Postavaru

Der Fernwanderweg E8 ist hier durchgängig beschriftet. Riesige Hütte mit super netten Wirtsleuten Rolf und Franziska die uns zuvorkommend auf deutsch (das machte leichter) zu den typisch rumänischen Gerichten aufklären. Hier bleiben wir und bestellen uns ein Bier auf der Sonnenterase.

Erholung auf der Sonnenterasse

Die Wirtin setzt sich zu uns. Wir diskutieren über rumänisch und deutsche Küche – ja wir hatten Hunger – doch dann kam das Gespräch schnell auf das all gegenwärtige Thema der Bären zu sprechen. 

An dieser Stelle der Warnhinweis das Folgende nicht FALSCH zu  verstehen. Der Wanderer wird in Rumänien nicht sofort vom Bär angegriffen oder aufgefressen. Mit ein paar Grundregeln wie um Beispiel der Lärm während man wandert kann man sich in den Karpaten sehr sicher bewegen. 

Im Gespräch erfahren wir jedoch auch die Probleme, welche nicht  nur die Bergbewohner mit dem Jagdverbot der Bären haben. Die Population im rumänischen Gebiet um Brasov ist mit über 5000 Tieren sehr groß. Die Tiere kommen aus den Bergen in tiefere städtische Regionen und zerlegen die Mülleimer und Fressen in den Obstgärten. Auch um die Hüten sind die Bären präsent und man muss auch in den Abendstunden, aber besonders in der Nacht wachsam und vorsichtig sein. Hat sich der Bär einmal an die Hüttensituation gewöhnt, holt er sich auch einmal eine Zuckerdose aus der Hüttenküche. Das alles wohl gemerkt ohne einen großen Schaden anzurichten. Für die Bergbevölkerung die hier jeden Tag mit Ihren Familien und den wilden Tieren leben müssen keine einfache Situation. Sie sprechen sich nicht für eine Eliminierung der Bären aus, sondern drängen auf eine geringere Population die der Fläche und dem Leben in den Bergen gerecht wird. 

… viel Spaß beim Bloggen

 

 

 

 

 

 

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Blick von der Cabana Postavaru auf Brasov

Für alle für die Outdoornavigation in etwa so wichtig ist wie mit Elon Musks SpaceX auf den Mars zu fliegen, die solten jetzt nicht weiter lesen. Da das Kartenmaterial in diesem Gebiet sehr lückenhaft und häufig mit einer Auflösung von 1:70.000 eher einer Straßenkarte zum autofahren als einer Wanderkarte entspricht, habe ich mich für zwei redundante Androidgeräte mit der App OSMand und den zugehörigen digitalen OpenStreetMapWanderkarten entschieden ( Preis free oder für Pro Version weniger als 10 Euro). Das Android Tablett ist nur zum bloggen an und dient als Ersatz, wenn das Handy in die Felsspalte fällt, oder vom Bär gefressen wird. Auf beiden Geräten sind alle geplanten Tracks zur Darstellung in OSMand vorhanden. Mit dem Android Huawei P20 pro tracke ich die Strecke lokal alle 30 Sekunden jnd sende alle 2 Minuten den Standort zum Livetrack auf der Webseite. Das Smartphone hält so 10 Stunden durch. Die ideale Ergänzung in diesem Jahr ist die Outdoor-Smartwatch Garmin fenix 5 plus. Die Uhr hat ebenfalls das komplette Kartenmaterial und alle geplanten Tracks gespeichert. Sie wird unabhängig vom Smartphone mit ihrem integrierten GPS-Empfänger betrieben. Somit werden gleichzeitig zwei Tracks aufgezeichnet und zur Orientierung und Navivation stehen jeder Zeit mit der Uhr, dem Smartphone und dem Tablett drei unabhängige Geräte zur Verfügung. Die Uhr hat den Vorteil, dass das transreflektive Display stets aktiv ist und trotzdem ein kompletter 10 Stunden Tag getrackt werden kann. Die Uhr benötigt nur 1/10 der Energie des Smartphones und ist 100% wasserdicht. Die Energieversorgung läuft über drei Powerbanks mit jeweils 10.000 mAh und einem Gewicht von knapp 900 g. Dazu kommt ein 5-fach USB Schnellladegerät von Anker (300 g). Mit der Ausrüstung kann man ohne Probleme drei Tage tracken, navigieren und bloggen und im Notfall mehr als eine Woche navigieren.

 

Tag 4 – Cabana Postavaru – Cabana Diham 18 km / 830 Hm (17.07.2019)

Zur sehr hübschen Hütte Postavaru gibt es  noch eine  nette Geschicbte. Wir haben erfahren das wir sehr sicher untergebracht sind, denn es gibt eine 24/7 Gendamerie Station in der Hütte. Die Station ist stets von zwei Gendarmen besetzt um bei Straftaten im Ski- und Ausflugsebiet sofort Vorort zu sein. Sie wohnen bei freier Kost und Logie auf der Hütte. Wenn es auf der Hütte im Winter richtig hoch her geht und gerade kein Kriminalfall zu lösen ist, werden die zwei Gendarmen zum Kartoffelschällen verdonnert. Das selbstverständlcich ohne Uniform, weil es ja nicht zu den Kernaufgaben der Beamten gehört.

Kurz vor neuen brechen wir auf und gehen noch lauter klingelnd und pfeifend urch den Wald. Immer wieder treffen wir auf dem schmalen Weg am Hang entlang auf Bärenlosung.

Bärenkacka

Lärm machen ist die einzig mögliche Präventivmassnahme um ein Treffen zu vermeiden.

Nach einer halben Stunde überschreiten wir den bewaldeten Kamm und kommt wie es komen musste. In einer sehr steilen Rinne zieht sich der glitscbige Weg ohne größere Kurven in die Tiefe. So geht das fast eine Stunde lang.

Steiler Abstieg zur Cabana Secuilor

Kleiner positiver Aspekt heute – die umgefallenen Bäume müssen wir nicht umklettern. Hier war schon mal jemand mit der Kettensäge am Werk und hat den Weg freigesägt. 

Bergabgehen kann so anstregend sein. Als wir auf den Laubwald treffen ist der Weg zwar da, aber die Sträucher und Bäume haben ihn überwuchert. 

Plötzlich und unerwartet haut Pierre einen raus: “Wenn nicht das ständige Gebimmel der Bärenglocken wäre, dann wäre es eine sehr erholsame Tour”. Das ist echt der Knaller, die Tagesetappen sind erholsam nur der Lärm nervt. Also die besten Voraussezungen für die kommenden Etappen. 

Nach rei Stunden erreichen wir das mit dem Auto erreichbare Ausflugsziel Cabana Secuilor.

Blick auf die Cabana Secuilor

Traumhaft, herrlich und genau zum richtigen Zeitpunkt. 2 Bier, Polenta, gegrilltest Gemüse und zum Nachtisch ein Schokofrappe. Der zweite Teil der Etappe kann kommen. 

Vorbereitung für mein gegrilltes Gemüse

Für alle E8 Wanderer – ab der Cabana Secuilor gibt es zwar noch Wegmarkierungen, aber keinen Hinweis auf den Fernwanderweg E8. Außerdem ist die Wegführung  bis kurz vor das Tagesziel Cabana Diham sehr sehr abenteuerlich. Der GPS-Track muss oft weiterhelfen. 

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Wir haben wieder einen ganz lieben Begleiter. Schlappohr folgt uns schon kurz nach unserer Mittagspause.

Schlappohr ist heute unser Pflegehund

So richtig wissen wir nicht, ob Schlappohr uns bei der Bärenverscheuchung hilft oder eher ein Problem ist. Egal – ändern können wir es eh nicht. Er folgt uns auf Schritt und Tritt.

Landwirtschaft

Irgendwann haben wir einen Bachlauf erreicht und es geht über eine unendlich lange, feuchtwarme und über eineinhalb Meter hohe wilde Wiese quer Feld ein 300 Höhenmeter hinauf. Weglos, dampfig und sehr steil bergauf, das wünscht man sich nicht.

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Selbst Schlappohr läuft jetzt nicht mehr voraus, sondern in der von Pierre gelegten Spur. Irgendwann erreichen wir eine, Leitplanke und stehen direkt an einer viel befahrenen Passstraße. Das ist jetzt wohl der gefährlichste Abschnitt der Etappe. Die rumänischen Überholkünstler und die vielen LKWs machen uns ehrlich gesagt mehr Angst als die Bären. Schlappohr versucht noch die Reste einer plattgefahrenen Katze als Abendessen zu verspeisen, doch dazu ist Straße wirklich zu stark befahren. Nach eineinhalb Kilometern biegen wir links ab und kürzen querfeldein noch 500 m ab. Dann geht es auf einem Forstweg erst eben und am Ende leicht ansteigend zur Cabana Diham (1302 m). 

 

Cabana Diham (1302 m)

Schon von Weitem erkennen wir die große, vierstöckige Hütte. Kühler Empfang mit Sofortbarzahlungsaufforderung und natürlich ein Zimmer wo  ?  Im dritten Stock. OK, also noch die letzten 6 Höhenmeter hinauf. Ja die Decken haben maximal 2 m Höhe und biegen sich schon sichtbar durch aaaaber wir haben eine Dusche auf dem Zimmer. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie schön eine warme Dusche sein kann. Die letzten Sonnenstrahlen geniesen wir vor der Hütte mit Blick auf die morgige Etappe. Ziel der 2500 m hohe Gipfel des Omu. Für alle die noch nicht wußten was man so alles in den Bergen braucht hat der freundliche Discounter Lidl noch eine Hinweistafel vor der Hütte aufgestellt.

LIDL klärt auf was man in den Karpaten dabei haben muß

Ein bisschen traurig ind wir chon, weil Schlappohr uns verlassen hat. Er ist nicht mehr auffindbar. 

E8 Info: Keine Spur mehr von Markierungen, welche den Fernwanderweg E8 kennzeichnen. 

Tag 5 – Cabana Diham – Cabana Omu 12 km / 1600 Hm (18.07.2019)

Heute Nacht war richtig was los. Erst in der Hütte und dann davor. Eine Jugendgruppe kam  22:30 Uhr von ihrem Ausflug zurück und machte richtig Party. Rumänischer Pop bis halb zwei. Um halb vier Uhr geht die Show dann vor der Hütte weiter. Gefühlt zehn Hunde bellen gleichzeitig – ist das ein Spektakel. Es ist Vollmond und wir schauen aus dem Fenster was sich vor der Hütte abspielt. Immer wieder sieht man schwarze Schatten – die Bären sind da. Aus dem dritten Stock sieht man dem Treiben sehr entspannt zu. Nicht auszudenken unten im Zelt zu liegen. Später treibt ein Hirte mit seinen Hunden die Kühe hinunter ins Tal. Kurz nach vier Uhr ist der Spuk vorbei.

Am Morgen bestätigt sich die Beobachtung. Die Bären haben die Müllereimer ausgräumt.

Bärenhunger

Die Cabana Diham versprüht den typischen 60er Jahre Ostblockflair, den ich noch aus meinem Dresdner Handballaustausch vor der Wende kenne. Kühler Kontakt, klare Rollenverteilung und man bekommt fast alles – wenn man danach fragt.

Nach dem typischen Frühstücksomelette starten wir auf unsere vorerst anspruchsvollste Etappe. Hoch, auf 2500 m direkt auf dem Omu Gipfel steht die Cabana Omu. Erst geht es einmal 200 Höhenmeter bergab und dann durch lockeren Laubwald mit idyllischen Bächen und Blumenwiesen.

Bachlauf am Aufstieg zur Cabana Malaiesti

Dann zwei Stunden hinauf zur Cabana Malaiesti. 

Cabana Malaiesti

Wir werden von einem überaus gut gelaunten Mitarbeiter der Hütte empfangen.

Der fröhliche Gaucho der Cabana Malaiesti

Die erste Frage war, ob wir einen Bären gesehen haben. Als wir es verneinen kommt es zu einer Vorführen zur Größe des Bären und mit welchem urbrünstigen Ruf man diesen vertreibt.  Für den Materialtransport ins Tal werden noch vier Pferde gesattelt.

Lastpferde der Cabana Malaiesti

Wir verlassen die bewaldete Zone und damit auch den Wirkungsbereich der Bären. Die Wiesen stehen in voller Blüte und ihr könnt Euch die Vielfalt der Pflanzen und bunten Blüten in solch einer Dichte nicht vorstellen. Wenn mich einer nach unberúhrter Bergidylle fragen würde, ich würde ihn hier her schicken.

Bergblumenwiese

Das Bild ändert sich schlagartig mit dem steilen Aufstieg auf ein 300 m höher liegendes Felsband. Teils mit allen Vieren und kleiner Kletterei im ersten Grad geht es steil bis zur senkrechten Felswand hinauf.

Kletterstelle im Aufstieg auf das Felsband

Dann folgt ein langer ausgesetzter Weg leicht ansteigend auf dem Felsband entlang. Es ergeben sich atemberaubendende Tiefblicke zur 300 m unter uns liegenden Malaiesti Hütte. Der Blick reicht über alle Stationen und Hütten der letzten Tage. Nach,durchschreiten eines Felstores geht es steil im Fels den Grat bis auf 2400 m hinauf.

Durvhstieg auf dem Felsband

Für alle E8 Fernwanderer – für diese Etappe ist Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und ein wenig einfache Kletterei erforderlich. Bei gutem, trockenen Wetter ein Genuß, sonst gerade bei Gewitter auf den Gratabschnitten gefährlich.

Wolkenspiel auf dem Grat zum Omu Gipfel

Wandern in den Karpaten ist einsam – das haben wir schon gelernt. Heute aber treffen wir etwa eine Stunde vor der Hütte auf drei Bergwanderer. Mit dem Gupfel des Bucsoiu (2493 m) haben wir fast die maximale Höhe erreicht. Leider geht es über den Grat, zur schon sichtbaren Cabana Omu noch eimal 150 Höhenmeter hinunter und natürlich wieder hinauf.

Aussicht vom Gipfel Omu

Die Wolken ziehen um die Gipfel und machen die Sicht zur immer wieder frei. Die Hütte ist echt der Hammer. Direkt in den Gipfelfelsen gebaut klebt die Hütte auf 2507 m am Fels.

Cabana Omu

Es ist kalt und bleibt kalt, denn die Hütte wird nicht geheizt und es gibt keinen Strom/Licht.

Gastraum in der Cabana Omu

Dafür bekommen wir eine Gemüsesuppe und einen warmen Kaffee. Das Abendessen fällt heute etwas kleiner aus.

Übersichtliches Abendessen für zwei Personen auf der Cabana Omu (2507 m).

Das Zimmerchen mit einem Stockbett hat alles was man braucht, sogar einen Stuhl der mein Gewicht erträgt. In der Gaststube hat es 16 Grad Celsius und meine Finger sind vom Tippen eiskalt. Große Überraschung – in unserem Zimmerchen wurde ein auf Gas umgestellter Kanonenofen in Betrieb genommen.

… und das Türchen bleibt natürlich offen

Jetzt müssen wir nicht frieren, sondern nur hoffen dass die Flamme nicht ausgeht, denn ein Sicherheitsventil kann ich nicht erkennen. Irgendwann in der Nacht ging die Flamme und auch das Gas aus. 

Tag 6 – Cabana Omu – Stadt Bran 19 km / 230 Hm (19.07.2019)

5:30 Uhr das erste Tageslicht fällt durch das winzige Fenster in unserem Zimmer. Die Berggipfel um uns herum sind frei von Wolken. Sonnenaufgang ist 5:45 Uhr und ich stürze ins Freien auf die kleine Erhebung hinter einem Gedenkkreuz.

Morgenstimmumg auf dem Varful Omul

Unter und über mir ziehen Wolkenfetzen über den Grat. Der Himmel ist zumgriefen nah. Die aufgehende Sonne drückt die Wolkendecke im Osten nach oben, kommt aber leider erst sehr viel später zum Vorschein. 

Cabana Omu

Kurz nach Sieben gibt es warmen Tee und ein Omlette im kühlen Gastraum. Dann geht es auch schon los auf die Etappe ins Tal hinunter nach Bran.

Cabana Omu (2507 m)(

1800 Hm und 18 km liegen vor uns. Der Weg führt gut mit Stangen markiert stufenweise über von Schafen beweidete Grashänge schnell bergab. Eine kurze und eine etwas längere Kletterstelle sind zu überwinden. Die angebrachte Kette ist mit den herausgerissenen Felsankern nicht sehr vertrauenwürdig, hält uns aber aus.

Abstieg von der Cabana Omu nach Bran

Auf ca. 1600 m Höhe treffen wir auf die Abzweigung zur Dracula Schlucht (Cascada Moara Dracului). Weg führt in 5 Minuten zu einem kleinen Wasserfall mit folgenden Kaskaden.

Cascada Moara Dracului

Für heute ist das, neben dem Abendbier unser Tageshighlight. An der Poiana Gaura (Schäferhütte) treffen wir nach langer Zeit wieder auf einen E8 Wegweiser. Zu unserem Erschrecken ist dort die verbleibende Restzeit mit fünf Stunden angegeben. Ups – wir sind schon drei Stunden unterwegs, das wird dann ein langer Wandertag. 

Hinter uns in den Felswänden grollt  der erste Donner. Noch einmal geht es steil bergauf. In der festen Überzeugung dass es jetzt  nur noch bergab geht schmerzen unsere Beine beim letzten 200 Hm Anstieg um so mehr. Kaum  haben wir die Anhöhe erreicht beginnt es auch schon zu regnen. Da trifft man den ganzen Tag keinen Menschen, aber gerade in dem Moment als wir auf unsere Regenhose wechseln und unterhosig im Wald stehen, spaziert ein Muskelshirt bekleideter Wandersmann  mit Fragezeichen in den Augen an uns vorbei. Der Regen wird stärker, nur noch drei Stunden bis nach Bran. Irgendwann nach 4 km auf der Teerstraße durch das Feriengebiet erreichen, wir  schließlich das Zentrum von Bran. Das erste Restaurant  Bulzu Branului ist unseres. Auf der Speisekarte findet man die traditionelle Bohnensuppe im Brotlaib und Polenta mit Käsefüllung, eine typische Schafhirten Mahlzeit.

Traditionell – Bohnensuppe aus dem Brotlaib

Bei mir waren mal wieder die Augen größer als der Magen und ich bestellte beides. Geschmeckt hat es vorzüglich, für heute bin ich satt.

Nur wenige Meter weiter schlängelt sich die vielbefahrene Hauptstraße durch den Ort. Hier trifft uns die Zivilisation mit Ihrer Tourismusindustrie mit voller Wucht. Um das als Dracula Schloß bekannte Schloß Bran hat sich eine Buden- und Zeltmeile aus Souvenirshops, Restaurants und anderen Händlern aufgebaut. 

Tourihochburg Bran(

Diesen Teil lassen wir schnell hinter uns und ziehen weiter zur etwas außerhalb liegenden Unterkunft Pension Pandrea. Hier hat eine junge Familie vor zwei Monaten eine kleine Existenz gegründet. Super nett und sehr sauber.

Pension Pandrea

Kleiner Wehrmutstropfen – während der sehr erholsamen warmen Dusche knallte am Waschbecken der Warmwasseranschluß aus dem Eckventil und verwandelte den Raum binnen Minuten in ein Schwimmbad. 

Morgen ist Ruhetag und Trockentag für die Wäsche. 

Tag 7 – Stadt Bran – Ruhetag (20.07.2019)

Auch wenn der Graf Dracula nie einen Fuß in das bilderbuchreife Schloß gesetzt hat, besitzt es für Eltern und Kinder eine magische Anziehungskraft.

Dracula Schloß Bran

Auch wir werden Teil des Treibens und der Warteschlange vor dem Schloß. Kaum quetscht man sich in einer endlosen Schlange durch enge Gänge, verwinkelte Zimmer und steile Treppen erreicht man einen Wandelgang mit Blick auf den Burghof.

Schloß Bran Geheimgang

Eine Szene wie in einem Wimmelbild. Aus jedem Fenster, Scharte schaut ein Kopf, auf jedem waagrechten Stein sitzen Menschen und durch die Gemächer pressen sich die restlichen Besucher.

Wimmelbild Schloß Bran

Vom Besucherandrang abgesehen, da waren wir ja an einem Samstag selbst Schuld, ist es ein hübsches Schloß, das unter der Königin Queen Marie von Rumänien  im 20ten Jahrhundert positiv umgestaltet wurde. Am besten hat mir der Ofen mit Sitzecke im Musikzimmer gefallen.

Schloß Bran mit gemütlichem Kaminofen

Zum Mittagessen können wir das etwas außerhalb gelegene und vielleicht etwss teurere Restaurant Bratescu empfehlen. Ruhige Lage und sehr leckeres, auch traditionelles Essen.

Im weiteren Verlauf desTages sind wir nach Rasnov (Rosenau) geubbert. Wir besuchen die oberhalb gelegene Zitadelle.

Zitadelle Rasnov

 

 

 

 

 

 

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Zitadelle Rasnov Innenhof(

Fast schon interessanter als das historische Gemäuer sind die vielen Schmetterlinge. Den Schwalbenschwanz sieht man nur sehr selten.

Schwalbenschwanz Schmetterling

Die Regenwolken sind vollständig verzogen und wir lassen den Abend im Restaurant Bratescu ausklingen.

Heute ist ein besonderer Tag. Erstmals im Blog ein Bilderrätsel. Wer findet den Fehler in diesem leckeren Krautsalat ?

Bilderrätsel: Was ist falsch in diesem Krautsalat (Spoiler: redniblebaK)

Das war eher nicht traditioneuul und ging zurück an die Küche.

Tag 8 – Stadt Bran – Cabana Curmatura (21.07.2019)

Heute ist die Tagestour zweigeteilt. Am Vormittag geht es über den ersten Bergrücken 600 Hm hinauf und wieder hinunter und am Nachmittag dann der Aufstieg zur Hütte mit 800 Hm.

Die Pension Casa Georgeta in Bran liegt zwar sehr günstig im Zentrum, bietet aber leider kein Frühstück an. So starten wir um 8:00 Uhr zum Mini-Supermarkt im Ortszentrum. Hier warten schon einige Personen, weil es die einzige Kaffeequelle um diese Zeit ist. Der Kaffee  wird unter der Kasse in einer Saeco Maschine zubereitet.

Bran Frühstückskaffee

Dazu noch ein paar Fertighörnchen und dann ab auf die Parkbank zum Frühstücken.

Bran – Frühstück im Park

Die Sonne scheint das wird ein toller Tag. Im Laubwald von Bran geht es gleich richtig steil bergauf. Nach einer halben Stunde erreichen wir die erste Bergwiese.

Blumenwiese

Wald und Wiesen wechseln sich auf dem Bergzug zur Fahrstraße nach Magura ab. Die bewaldeten Anstiege sind eine willkommene Abwechslung zu den schwülwarmen Bergwiesen.

Feld, Wald und Wiesenweg

Heute haben wir richtigen Publikumsverkehr und es gibt auch noch andere deutsche Wanderer. Durch den lichten Laubwald wird hier und da der Blick auf die Stadt Zanesti und weit übers Land nach Rasnov frei.

Aussicht

Mit unseren schweren Rucksäcken, beladen mit Zelt und Kocher sind wir deutlich langsamer als die veranschlagten Zeiten auf der Beschilderung. Wen juckt’s wir haben Urlaub und gaaaanz viel Zeit. Als wir die Schotterstraße nach Magura erreichen trauen wir unseren Augen nicht. Es steht alles voll mit Fahrzeugen. Halb Rumänien ist an diesem Wochenende im Königstein wandern.

Noch eineinhalb Stunden und 600 Hm sind für das letzte Stück zur allseits gelobten Cabana Curmatura angegeben. Durch den Laubwald geht es weniger steil bergauf als erwartet. Nach 400 Hm erreichen wir die ersten mit Kühen und Schafen bewirtschafteten Wiesen.

.. noch eine Stunde bis zur Hütte

Noch eine knappe Stunde bis zur Hütte. Freude kommt auf. Nocheinmal kurz durch den Nadelwald und schon stehen wir vor der Cabana Curmatura auf 1460 m Höhe. Ja, es ist richtig was los hier oben. Auch hier hat die Reservierung perfekt funktioniert und wir beziehen unser Lager. Toilette und Wasser gibt es außerhalb der Hütte. Auch eine Kaltwasserdusche steht am Waschplatz zur verfügung. Die werde ich morgen testen. 

Outdoordusche

 

Mit sinkender Sonne verziehen sich auch die Wolken wieder und wir sitzen noch lange auf der Terasse vor der Hütte.

Cabana Carmatura (1460 m)

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Tag 9 – Cabana Curmatura – Gratwanderung (22.07.2019)

20 Kommentare zu “Rumänien – Karpaten – E8

  1. Martin

    Servus Oliver. Wenn es Euch noch einiger massen zeitlich passt fahrt nach Tartlau (Prejmer).Es ist Sehenswert die Kirchenburg und die Gemeinde selber. hier wurde ich geboren,getauft und Konfirmiert. ich teile dem Lorenzo mit wohin er mit Euch fahren soll.Würde mich freuen wenn es klappen würde.Ein paar Stunden reichen Euch. Viel Spaß. Schöne Grüße Martin

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo, vielen Dank. Ja es wunderschön und wir haben viel Spaß. Gerade sitzen wir auf der Cabana Carmatura im Königstein. Lg Olli

  2. Manfred

    Vielleicht gehört so ein Kabelbinder einfach dazu. Du hast es ja nicht mal probiert. Gruß mb P.S.: Und was habe ich jetzt gewonnen?

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Mani, richtige Lösung. Du hast gewonnen. Den Preis kennen wir noch nicht, aber sei Dir sicherwir finden noch was für Dich. Lg Pierre & Olli

  3. Christian

    Hi Olli und Pierre,

    Wünsche Euch eine schöne Tour! Wie immer sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Bericht.

    Haltet die Ohren steif!

    Bis demnächst,
    Christian

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Christian, danke. Momentan läuft es top. Auch das Wetter ist wieder erwartend gut (auch die Vorhersage). Grüße P & O

  4. Günter

    Hallo Ihr zwei,
    viel Spaß auf eurer Tour. Glaube gewaschene Bären sind viel ungefährlicher als nicht gewaschene Beeren. Ich grüble nur über die viel zitierte Bärenglocke. Ob alle Bären wissen wie man die läutet 😉 Kommt heil wieder und landet nicht als Wandschmuck in einer Bärenhöhle.
    So genug über die Viecher.
    Macht schöne Bilder und weiterhin (mehr) Glück mit dem Wetter.
    Servus
    Günter

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Güni, wenn nur die Bären läuten würden – die Klingelei nervt manchmal – ist aber notwendig wenn man die Bärenhöhle nicht von Innen sehen möchte. Grüße P & O

  5. Stef

    Hi hi, da muss wohl dringend jemand mit einer Diät beginnen?! Vielleicht eine Beeren-Diät?

    Liebe Grüße und einen schönen Urlaub

    Stef

  6. Helmut

    Hallo Olli, Pierre,

    ich glaube, ich wäre nicht über das Cafe Saray Brasov hinausgekommen…
    Sieht sehr interessant aus! Ich wünsche Euch noch etwas besseres Wetter!

    Alles Gute, nutzt die Bärenklingel – könnt Ihr die programmieren?!?

    Bis dann,
    Helmut

  7. André

    Hallo Jungs, ich habe eure ersten Eindrücke und Erlebnisse gelesen. Es ist wie immer ein Vergnügen. Das laute Lachen könnte ich mir bei der einen und anderen Stelle nicht verkneifen. Passt auf euch auf. Schöne Grüße André

  8. Matthias

    Servus Kollegen, was macht die Natur ? Ich wollte Euch nur kurz daran erinnern das gleich Baureihenrunde ist (bei uns ist es gerade 13:24 Uhr) …
    Noch eine kurze Frage, kommt das Loch in Pierres Hose von einem Bären? 😉

    Euch noch viel Spaß,

    Matthias

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Matthias, danke für die Erinnerug. Wir haben eine Gedenkminute eingelegt. Das Loch rührt von einer Spontanvorbereitung ohne Qualitätskontrolle und wurde durch die Taskforce wieder geflickt.

  9. Bernd

    Moin Männer, die nächste Überlebenstour ist gestartet.
    Ich wünsche Euch viel Spaß und kommt gesund wieder.
    Ein PENDANT zum Hai habe ich bereits gesehen. Ist vermutlich beeindruckend.
    Alles Gute,
    Grüße Bernd

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Bernd, danke Dir. Wir haben das Pendant zum Hai noch nkcht gesehen. Gott sei dank. Bleib am Ball.

  10. Hannelore Spangler-Schäfer

    Hallo zusammen, jetzt schon toller Bericht. Sitz grad im Büro und lass das gelesene noch nachwirken. Freu mich schon auf den nächsten Bericht. Euch eine gute Zeit und viele tolle Erlebnisse!

  11. Manfred

    Hallo Ihr zwei, toll, dass die Berichterstattung wieder klappt und es jeden Tag was Neues zum Lesen gibt. Viel Spass, gutes Wetter und ein sicheres Vorankommen wünsche ich Euch.

    Bis demnächst

    mb

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Hallo Mani, mal sehen wie mit der Mobilfunkvrlerbindung weitergeht. Heute war es OK, aber das wird sich wohl bald ändern. Grüße Pierre und Olli

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