Off The Beaten Track – Travelblog

Glarner Alpen – Sardona-Welterbe-Weg von Filzbach bis Weisstannen

Warum ?

Bei Mehrtageswanderungen in den Bergen denke ich hier in der DACH-Region eher an Wanderungen von Unterkunft zu Unterkunft im Tal oder von Hütte zu Hütte, wenn man den Abstieg ins Tal vermeiden möchte. Wie wäre es doch, wenn ich ähnlich zu den Reisen in Island oder Norwegen anstatt in einer Berghütte im Zelt übernachten würde.
Ist das überhaupt erlaubt, gibt es Vorgaben und wenn ja wo wäre das überhaupt möglich? Fragen über Fragen. Bei der Recherche wurde schnell klar das es in den deutsch-östereichischen Bergen generell nicht gestattet ist. Aber dann bin ich auf die Internetseite von glarnerland.ch und dem Schweizer-Alpen-Club gestoßen. UnterBeachtung einiger Vorgaben, könnte eine Nacht im Zelt in den Glarner Alpen möglich sein.
Der Sardona-Welterbe-Weg liegt in diesem Gebiet und ist mein erster Versuch einer Bergtour ohne Hüttenübernachtung. Zusammen mit meinem Sohn wollen wir die ersten drei Etappen des sechstägigen Sardona-Welterbe-Weges gehen.

Daten

Sardona-Welterbe-Weg

Busverbindung Weisstannen – Filzbach

Filzbach (Sesselbahn Habergschwänd) – Sesselbahn Kerenzerberg

GPX Trace der gesamten Tour

Gesamtstrecke: 49720 m
Maximale Höhe: 2418 m
Gesamtanstieg: 3804 m
Gesamtabstieg: -4082 m
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Tag 1 17.09.2026 – Filzbach (Habergschwänd) -Murgseehütte (1808 m) – Widersteinerfurgglen

Gesamtstrecke: 16118 m
Maximale Höhe: 2016 m
Gesamtanstieg: 1835 m
Gesamtabstieg: -1108 m
Download file: 20260919_Glarner-Alpen-Tag1_bearb.gpx

Um 9:15 stehen an der Sesselbahn Kerenzerberg oberhal vom Sportzentrum Filzbach am Walensee. Der Regen vom gestrigen Abend ist verzogen und die Sohne wärmt die frische Bergluft. Super nett von der Sesselbahnchefin ist das wir unser Auto gegen eine kleine Spende ins Sesselbahnschweinchen gerne drei Tage stehen lassen dürfen. Kay und ich im Sessel, die Rucksäcke dahinter und zack bringt uns die Bahn die ersten 540 Höhenmeter hinauf zum Bergasthof Habergschwänd.

Sesselbahn Kerenzberg hinauf nach Habergschwänd

Ja das Gepäck unterscheidet sich doch deutlich von einer Hüttentour. Die Rucksäcke haben mit Wasser abhängig von der Fotoausrüstung zwischen 18 kg und 20 kg. Wir wandern leicht bergab durch den Bergwald zum Talalpsee. Heute ist hier alles ruhig. Wir sind alleine unterwegs. Interessant sind die liebevoll eingerichteten Grillstellen mit kleinem Holzvorrat und gemauertem Grill. In den Sommermonaten ist hier sicherlich richtig was los.

Talalpsee mit Grillstellen

Die ersten Kühe versperren den Weg. Am Ende des Tals zieht der Weg dann an einer bewaldeten Felskante unter einer Materialseilbahn hinauf zum Spannegsee.

Der Wanderweg

Plötzlich hören wir einlautes Geräusch von einem Motorrad. Hier oben führt aber keine Straße hin. Aha – der Älpler hat sich das Motorad aus der kleinen Hütte am Ende der Materialseilbahn geschnappt und düst nun nen Bergweg hinauf. Respekt der hat es wirklich drauf.

Viehhirten im Einsatz


Wir haben die ersten 500 Hm geschafft und machen an der Alpe eine Pause. Es ist so schön hier oben in den Bergen. Es sind gerade einmal zwei Stunden vergangen und wir sind schon mitten drin in unserer Bergtour. Das zwitschern der Vögel und das Plätschern des Brunnens lassen die Geschäftigkeit und Hektik im Tal schnell vergessen.

Pause

Auf 1839 m erreichen wir die erste Scharte – die Mütschenfurggel. Hinunter geht is ins Mürtschental zur Mürtschenalp Oberstafel. Auch hier wurde das Vieh bereits hinunter ins Tal getrieben. Für uns aber ein idealer Ort für die Mittagspause.

Mürtschenalpe

Es gibt eine warme Mahlzeit – ja wir haben ja alles dabei das ist fast schon ein wenig Luxus.

Mittagspause

Malerisch schängelt sich der Mürtschenbach durch die mit kleinen Felsen durchzogene Grasebene.

Der malerische Mürtschenbach

Wir überqueren die kleine Holzbrücke und steigen weiter auf zur nächsten Scharte, der Murgseefurggel auf 1985 m. Von hier aus geniest man einen herrlichen Blick auf die Murgseen. Diese liegen am Ende des Murgtals. Zwischen dem Mittleren- und Oberen Murgsee liegt die kleine aber hübsche Murgseehütte.

Blick auf die Murgsee und Murgseehütte

Wir kehren auf eine Cola und ein Bier ein. Ja die Schweiz ist nicht günstig, aber berücksichtigt man das die Hütte wöchentlich per Heli versorgt wird, relativieren sich die Preise wieder. Der Wirt hat leider keine Kenntnis von der Wildcamping Kampagne aufn der Internet Seite von Glarnerland. Vielleicht wollte er es aber auch nicht wissen.

Murgseehütte

Wir fassen am Zufluss des Mittleren Murgsees noch einige Liter Wasser in unseren Wassersack, da es oben auf der Widersteinerfurgglen heute Abend sicherlich kein frisches Wasser geben wird. Dann die letzten 180 Hm hinaus zur Widersteinerfurgglen. Hoffentlich habe ich den Schlafplatz richtig ausgesucht. Hier endet das Jagdbanngebiet und es ist der erste Punkte von einer etwas ebene Fläche auszugehen ist.

Murmeltiere sind auch unterwegs

In der leichten Dämmerung erkennen wir schnell den idealen Schlafplatz. Exponiert auf einem Vorsprung. Leider haben diesen Platz auch die Kühe in den letzten Monaten gerne genutzt und wir räumen die sechs Quadratmeter für unser Zelt frei und von Kuhfladen. Dann geht alle ganz schnell. Zelt aufbauen, Essen kochen und zum Abschluss ein phänomenal leckerer Nachtisch von Trek’N EAT – Mousse au Chocolat. Das Ding ist wirklich jeden Euro Wert. Mit der Dunkelheit kehrt vollständige Ruhe ein.

Widersteinerfurgglen

Es ist windstill und die ersten Lichter vom Berghang gegenüber scheinen zu uns. Die Kälte treibt uns gegen halb neun ins Zelt. Was für eine tolle Stimmung so alleine hier oben in den Bergen.

Tag 2 – Oberer Murgsee – Spitzmeilenhütte (2087 m)

Gesamtstrecke: 14659 m
Maximale Höhe: 2418 m
Gesamtanstieg: 1033 m
Gesamtabstieg: -983 m
Download file: 20260917_Glarner-Alpen_Tag2_bearb.gpx

Von unserem Zeltdach hört man ein leises Knistern. Die ersten Nieselregentröpfchen fallen auf unser Zelt. OK – also noch einmal umdrehen und ausschlafen. Dann entspannt Müsli, Kakao und einen heißen Tee zum Frühstück zubereiten. Nachdem wir ein gebrochenes Zeltstangenelement ausgetauscht haben und alle unsere Sachen wieder in die Rucksäcke verstaut haben wandern wir um zehn Uhr los hinunter zum Widersteiner Hüttli, einer kleinen Viehschutzhütte gut geschützt hinter einem Stein versteckt.

Widersteiner Hütli versteckt sich einem riesigen Felsblock

Die Sonne kommt bis jetzt noch nicht zum Vorschein. Wir passieren die Skihütte Mülibachtal und erreichen auf langweiliger Schotterstraße vorbei an den Alpen rasch das Ende des Mülibachtals. Dort stürzt der Mülibach rund 80 m in die Tiefe.

Auf dem Weg zum Wissmeilenpass

Der Fahrweg endet hier und wir steigen auf schönem Bergpfad hinauf zur dem Wissmeilenpass entgegen. Dies ist mit 2420 m der höchste Punkt unserer Tour.

Wissmeilenpasshöhe

Auf den Gipfel verzichten wir gerne, es ist wolkig, wir sind hungrig und freuen uns auf eine warme Mahlzeit Trek’N EAT. Von unsererem Rastplatz haben wir einen wunderbaren Blick auf den Madseeli.

Blick auf Madseeli

Die beige grünenPflanzen, dazu das rote Verrucano Gestein und die tiefhängenden Wolken erzeugen eine ganz besondere Stimmung.

Madseeli

Jetzt taucht auch die quaderförmige Spitzmeilenhütte direkt an der Abbruchkante ins Matossatal auf. Es ist schon später Nachmittag und wir entscheiden uns auf Getränk und Kuchen dort einzukehren. Ganz nebenbei können wir so noch unsere Powerbank mit Energie versorgen.

Spitzmeilenhütte

Die Hütte füllt sich langsam wieder mit Übernachtungsgästen und wir treffen auch die paar Wanderer von gestern und heute wieder. Für uns ist es aber Zeit weiter zugehen in Richtung Bäll im Kessel von Calans. Ach ja da war noch was – Wasser ! Wir müssen für den Abend noch Wasser besorgen. Kein Problem, auf der Karte sind noch drei Bäche eingezeichnet. Oh jeh – die ersten Beiden sind trocken. Müssen wir nun wirklich die 20 Minuten zurück zur Hütte gehen um dort am Matossabach Wasser zu holen. Das war richtig dumm von mir hier kein Wasser mit zunehmen. ber nein – wir haben Glück. Der letzte der drei Bäche führt Wasser.

Auf dem Weg zum Übernachtungsplatz

Jetzt heißt es noch über den Weidezaun in unbewirtschaftetes Gebiet zu steigen und direkt vorne an der Kante ins Tal das Zelt aufzubauen. Heute ist keine Kuhfladenreinigung durchzuführen. Jetzt sind wir schon ein richtig eingespieltes Team beim Zeltaufbau und Abendessen zubereiten. Von unserem Übernachtungsplatz haben wir den perfekten Blick auf die gegenüberliegende Bergkette der Churfirsten. Diese erheben sich auf der Nordseite des Walensees, wo wir gestern gestartet sind. Plötzlich nähert sich Motorengeräusch. Kommt doch der Schäfer mit seinem Quad zurück um uns zu vertreiben ? Ich gehe noch einmal aus dem Zelt und prüfe woher das Geräusch kommt. Nein – der Älpler fährt mit Quad von seiner Hütte den Fahrweg ins Tal. Wir sind nun sicher ganz alleine hier im Hochtal.

Tag 3 – Spitzmeilenhütte – Weisstannen (1079 m)

Gesamtstrecke: 18904 m
Maximale Höhe: 2391 m
Gesamtanstieg: 936 m
Gesamtabstieg: -1990 m
Download file: 20260918_Glarner-Alpen_Tag3_bearb.gpx

Heute Nacht war es dann richtig kalt. Auf dem Zelt hat sich eine Reifschicht gebildet. Unsere Schlafsäcke sind super warm und sehr gemütlich. Doch es hilft nichts, noch vor den ersten Sonnenstrahlen stehen wir auf, denn wir haben heute die Königsetappe der drei Tage vor uns.

Am Morgen kurz vor Sonnenaufgang – Reif auf dem Zelt

Der Sonnenaufgang ist grandios. Der Himmel färbt sich vom blau über rot in allen gelb und orange Tönen.

Sonnenaufgang

Die ersten Sonnenstrahlen wärmen und der reif geht in einen feuchten Tau über. Schon um viertel nach acht haben wir alles zusammengepackt und starten zurück in Richtung Spitzmeilenhütte.

Spitzmeilenhütte

Von dort aus geht es bei sonnigem, aber kühlen Bergwetter auf den Sardona-Welterbeweg weiter in Richtung Weisstannen.

Markant – der Gipfel des Spitzmeilen

Über den Schöbüelfurggelweg wandern wir eben zur Schönbüelfurgggel. Imposant hier das rote Verrucanogstein, welches unterhalb der aufgebrochenen Wiesenen herausleuchtet.

Auf dem Weg zur Schöbuelfurggel

Es haben sich drei Zweigruppen gebildet, die heute die Etappe nach Weisstannen über den Gipfel Oxny laufen. Das ist super angenehm – so können wir die Natur in vollen Zügen geniessen.

An der Fansfurggla (2274m) beginnt der Anstieg auf den Grat zum Oxni. Links und rechts geht es steil hinunter, doch es bleibt auf dem schmalen Gratweg immer mindestens eine Seite, welche nicht ausgesetzt ist.

Auf dem Grat zum Oxni Gipfel

Der Weitblick auf das Bergpanorama zu sieben Churfirstengipfeln und auf der anderen Seite zum Piz Sardona, der dem Gebiet hier seinen Namen gab ist fantastisch.

Bergpanorama

Der Weg ist klasse, mal auf dem Grat, mal vor oder hinter den Felsen und schließlich hinunter zur Madfurggel. An der Madfurggel beginnt der steile Abstieg ins Tal nach Weisstannen. Entgegen einiger Beschreibungen ist der Absteig zwar steil, aber bei trockenem Wetter sehr gut zu bewältigen.

Der Weg führt in der Fallinie über die saftig grünen Bergwiesen, dann durch den mit Farn gespickten Wald immer weiter hinunter ins Tal. Vorbei an den ersten kleinen Berghäusern errreichen wir nach knapp zwei Stunden Abstieg die Talbrück über den Seezbach. Eiskalt aber herrlich ist es dort nach drei Tagen mal wieder das Salz und den Schweiß abzuwaschen.

Baden im Seezbach

Im kleine Bergörtchen Weisstannen sollte man in keinem Fall den kleine SB Laden mit frischem Joghurt und Alpkäse verpassen. Es scheint als sei die Zeit hier stehen geblieben. Ein toller Abschluss des ersrten Abschnitts des Sardona-Welterbe-Weges.

Der hübsche Ort Weisstannen

Stündlich fährt der Bus nach Sarganz zum Bahnhof.

Von dort geht es dann mit der S-Bahn und dem Bus zurück nach Filzbach. Bei dieser zour hat mal wieder alles gepasst. Wir kehren erholt mit vielen wunderschönen Eindrücken zurück.

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