Off The Beaten Track – Travelblog

Sentiero della Pace- Friedensweg – MTB

Südtirol – Sentiero della Pace- Friedensweg – Mountainbike

 

 

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Gesamtstrecke

 


 

 

 

 

Übersicht

Der Sentiero della Pace (Friedensweg) erstreckt sich auf über 500 Kilometern von den Sextener Dolomiten im Osten bis an die Schweizer Grenze am Stilfserjoch im Westen. Er wurde Mitte des 20 Jhd. als Mahnmal des Ersten Weltkrieges eingerichtet. Der Sentiero della Pace zählt zu den bedeutendsten historischen Weitwanderwegen und folgt dem einstigen Frontverlauf. 
Helmut und ich wollen einem kleinen Teil des Weitwanderweges Sentiero della Pace vom Levicosee bis an den Gardasee in 5 Etappen mit dem Mountainbike folgen. 
Ein gute Beschreibung der Tour findet man im mountainbike-magazin. Die zweite sehr anspruchsvolle Etappe mit 3000 Hm teilen wir in zwei Etappen auf, so dass wir in Summe 5 Tage kalkulieren.

Die Etappen:

gpx-file Gesamtstrecke

Start-Unterkunft: Pension Rene B&B bei Levico Terme in Barca

Etappe 1: Levicosee – Posina 58 km / 2170 Hm (Gasthaus Posina) – gpx-file)

Etappe 2: Posina – Porte Pasubio 20 km / 1450 Hm ( Rifugio Papa) – gpx-file

Etappe 3: Porte Pasubio – Riva del Vallarsa 22 km / 730 Hm (Hotel Passo Buole) – gpx-file

Etappe 4: Riva del Vallarsa – Serravalle 27 km / 1180 Hm (Hotel Zugna) – gpx-file

Etappe 5: Serravalle – Rif. Altissimo – (http://www.rifugioaltissimo.it/) – gpx-file

Etappe 6: Rif. Altissimo – Riva del Garda – gpx-file

Rücktransport:

Torbole – Terme Levico mit öffentlichen Verkehrsmittel.

Bus 332 – Riva del Garda Busbahnfof – Trient Busbahnhof

Bus 401 – Trient Busbahnhof – Levico Terme

 

LINKS:

Allgemeine Informationen zum Friedensweg

Artikel DAV Panorama 02/2014 „Karst, Kanone & Kultur“ 

 

Reisevorbereitung

Wir fahren von Hütte zu Hütte. Daher minimales Gepäck. Rucksack mit 8 kg plus Getränke und etwas Werkzeug, Ersatzteile untergebracht in der Rahmentasche am Rad. Da der Weg bis in alpines Gelände auf 2200 m reicht sind Handschuhe und eine Ausrüstung für alpine Bergwanderungen erforderlich. 
Unsere Tour beginnt außerhalb der Ferienzeit und unter der Woche, so dass wir keine Hütten reservieren.

Die Wahl der Pension Rene in Levico (Ortsteil Barco) war wie sich jetzt heraus stellt ideal. Wir werden sehr herzlich vom kleinen Malteser und der Hausherrin begrüßt. Wir nutzen die Gelegenheit um bei einem Bierchen noch die Reservierung der Unterkunft für morgen zu fixieren. Leider hat die Malga Borcola nur an Wochenendenen geöffnet. Die Hausherrin reserviert eine Unterkunft noch 10 km weiter unten im Tal in Posina im Hotel al Garibaldino. Wir werden sehen, ob wir das schaffen.

 

Tag 1 – Levicosee – Posina  58 km / 2170 Hm (02.10.17)

 

Heute vorerst nur Text, da keine stabile Internetverbindung. Die Pension Rene kann ohne Einschränkung weiter empfohlen werden. Tolles Frühstück mit Käse und Schinken aus der Region. Kaffee, Müsli, Kuchen und Eier. Genau die richtige Vorbereitung auf eine anstrengende Tour.

Pension Rene

Um 8:00 Uhr verabschiedet uns Patricia die Chefin des Hauses. Nach drei Kilometern erreichen wir den Kaiser Jäger Weg. Dieser Weg wurde von den Pionieren des 2. und 3. Regiments der Tiroler Kaiser Jäger erstellt. Heute ist es eine Asphaltstraße die sich ca. 800 Hm in Serpentinen und durch zwei schmale Tunnels den Berg hinauf windet.

Auffahrt auf dem Kaiserjägerweg

Die Wolkenschichtung ist heute sebr interessant. Es gibt Wolkenfetzen unter jns und über uns und natürlich auch etwas Sonne.

Aussicht mit geteilter Wolkenschichtung

Aussicht ins Tal auf den Caldonazo See und den kleineren Levico See ist beeindruckend.

Blick auf den Caldonazo

Auf der Hochebene angekommen verlassen wir nach einigen Kilometern die Fahrstraße und steigen in den ersten harmlosen Schottertrail ein. Wir passieren einen östereichisch-ungarischen Logistikumschlagplatz aus dem 1. Weltkrieg. Der Trail führt diremt zur schweren Bunkerfestung Fronte Delle Fortezze.

Fronte delle Fortezze

Die Geschütze und die riesige Bunkeranlage ist noch erhalten und kann (wenn geöffnet) auch besichtigt werden. Wenn ich bedenke wie die armen Soldaten damals bei Wind und Kälte versucht haben für eine völlig unnütze Sache Ihr Leben zu riskieren, kommt ein bedrückendes Gefühl in mir auf. Von der Festung überblickt man das Tal und kann auch die Stellungen der italienischen Armee am gegenüberliegenden Berghang erahnen.

Fronte delle Fortezze

In diese Richtung fabren wir weiter. In den folgenden Orten Capella und Carbonare scheint die Saison bereits vorbei zu sein.

Ortsmitte Cappella

Nur noch wenige Unterkünfte haben geöffnet und Restaurants sind geschlossen. Wir radeln in Richtung Sommo Pass (1341 ü NN) weiter.

Aussicht auf dem Weg nach San Sebastiano

In San Sebastiano dann endlich Pause am Dorfbrunnen.

San Sebastiano

Am Sommopass verlassen wir die Hauptstraße und fahren über Schotter im Skigebiet bergauf. Quer durch Skigebiet führt der Weg, bis wir den Coe Pass (1610 ü NN) erreichen. Jetzt wird es interessanter. Ein alter grober Militärweg führt ohne Gnade ergauf zum Monte Coe (1850 ü NN) , dem höchsten Punkt der heutigen Etappe.

Trail zum Monte Coe

Das Kriegerdenkmal in Form eines riesigen Eisenkreuzes ist weithin sichtbar. Die letzten Meter wird das Rad hinauf getragen. Am Gipfel erkennt man noch die schmalen Schützengräben, die sich am Grat entlang ziehen. 

Gipfel Monte Coe

Lange Pause, Nebel zieht auf und die Stimmung wird unwirklich, gespenstisch. Wir machen uns auf den Weg zum Monte Borcoletta (1759 ü NN). Etwas ausgesetzt mit grobem Schotter und Stufen geht es im leichten Auf und Ab dem Hang entlang.

Abfahrt zum Passo Borcola

Das ist die Grenze für mein fahrerisches Können und meine mehr oder weniger vorhandene Schwindelfreiheit. Ich lege einige Schiebepassagen und freue mich auf die folgende Abfahrt. Dies mag nicht kommen – statt dessen geht es in steilen engen Serpentinen bergab.

Militärpfad zum Monte Coe

OK – bergab schwitzen wir mehr als bergauf. Das ist nicht toll, aber wenigstens passt die Aussicht. Der Fels wird weniger und wir erreichen den Laubwald. Dort steht das Wrack eines alten Militärlasters. Weiß der Teufel wie der dort hinauf gekommen ist.

… unglaublich wie kam der dort hinauf

Wir kämpfen uns den steilen und immer wieder verblockten Serpentinenpfad hinunter. Für einen Hochgenuss bei der Abfahrt fehlt uns das können. Am Ende wird der Trail flüssiger fahrbar und die Schweißperlen weniger. Eine Gämse schaut uns beim herunterrumpeln zu. Wie berichtet hat die Malga Borcola heute geschlossen. Nach Überquerung der früher mit österreichisch-ungarischen Mörsergeschützen bestückten Passhöhe geht es in 19 Kurven auf Asphalt rasant bergab.

Bilder aus dem „Großen Krieg“ am Passo Borcola

Hier glühen die Scheibenbremsen auf. Die 10 Kilometer bis ins Tal nach Posina fliegen im Geschwindigkeitsrausch an uns vorbei. Beim Einfahren ins Dorf öffnet sich am Haus mit dem Schild „Gasthof“ schon die Tür und die Mamma des Hauses bittet uns samt Fahrrad hinein.

Unterkunft Posina

Mamma ist die Chefin des Hauses und trägt eine weiße Schürze und ein weiße Haarnetz. Sie kümmert sich um uns wie um ihre eigenen Kinder. Das Rad wird durch die Gaststube in den Nebenraum geschoben, in dem die Oma gerade die Äpfel für das Abendessen schält.

Fahrradparkplatz in der Gaststube

Etwas überascht von der “ Drive In“ Herberge gehen wir auf unsere Zimmer. Wir bekommen zwei Zimmer, da zwei Männer immer zwei Zimmer bekommen. Das Abendessen ist genauso perfekt wie der Empfang. Bereits nach dem dritten Gang (Salat, Suppe, Lasagne) sind wir gut satt. Doch Mamma tischt weiter Fleisch, Gemüse und einen Nachtisch auf. Wir bestellen noch einen halben Liter Rotwein dazu und sind heute so richtig satt.

… so fühlen wir uns heute Abend

Beim abendlich Check unserer nächsten Unterkunft stellt sich heraus, dass diese heute Ihren letzten Tag geöffnet hatte. Ups g schon wieder. Doch auch hier ergibt sich nach einigen Telefonatender Chefin und viel italienisch eine Lösung. Jetzt muss nur noch das Wetter mit spielen. Hier sieht es für morgen eher schlecht aus.

 

Tag 2 – Posina – Porte Passubio (Rif. Papa) 20 km / 1450 Hm (03.10.17)

 

Italienische Betten sind etwas kürzer. Mit eingezogenen Beinen lies sich aber doch ganz gut schlafen. Um 7:00 Uhr steht das Frühstück bereit. Käse aus dem Tal, Rührei frisch gepresster Apfelsaft… Wir verabschieden uns mit einer herzlichen Umarmung von Mamma und radln in der feuchtnebligen Morgenluft bergauf in Richtung Passo Xomo (1058 ü NN).

Gasthais al Alpi mit „Mamma“

Auf der abgelegenen Asphaltstraße zum Pass kommt uns nur ein Fahrzeug entgegen. Leider ist das Wetter heute trüb, kalt und windig und die Radelei ohne Aussicht macht nicht so richtg Freude.

Passo Xomo – Helmut vergisst hier seine Brille

Nach dem Xomo Pass geht es weiter eine Fahrstraße hinauf zum Eingang in die „Strada delle 52 Gallerie“.

Eingang zur Strada delle 52 Gallerie

Dort endet die Fahrstraße und wir folgem dem grob geschotterten Militärweg. Zu unserem Erstaunen stoßen wir auf ein Schild welches die Durchfahrt bzw. den Durchgang für Radfahrer und Fußgänger verbietet.

… gilt nur für Hollandräder nicht für Mountainbikes

In der darunter liegenden Malga Campiglia holen wir fachmännischen Rat vom Einheimischen ein. OK – es ist fahrbar, wir müssen nur an einer Stelle nach einem Tunnel vorsichtig einen Erdrutsch mit riesigem Stein in der Fahrbahn umgehen.

Der alte ehemalige Militärweg windet sich mit nicht aufhören wollender Steigung den Hang hinauf. Aussicht gibt es keine, dafür eiskalten Nebel. Höhenmeter um Höhenmeter arbeiten wir uns hinauf zur Porte Pasubio. Hier in diesem Gebiet soll einst im „Großen Krieg“ der größte Gebirgskampf aller Zeiten getobt haben. Mehr als 100. 000 Soldaten kämpften hier und zehntausende mussten sterben.

Strada degli Scarubbi vom Passo Xomo zur Porte Pasubio

Es ist ungaublich wie in dieser kargen und kalten Umgebung die Menschen damals um das Überleben gekämpft haben. Nach den Serpeninen geht es durch ein Felstor und dann um eine Ecke. Jetzt bläst uns der eiskalte Wind noch stärker entgegen und wir ziehen die dicksten und wärmsten Klamotten an. Der Weg führt die Ebene weiter hinauf. Von dort ziehen dunkle Wolken über den Grat.

Strada degli Scarubbi vom Passo Xomo zur Porte Pasubio

Auf 1928 m üNN erreichen wir die Porte Pasubio.

Porte Pasubio

Null Sicht, eiskalt und starker Wind. Kein schöner Tag. Wir beschließen in der nur wenige Meter entfernten Rifugio Papa eine Nacht zu bleiben und auf besseres Wetter zu warten.

Rifugio Papa an der Porte Pasubio

Die Hütte ist gut besucht.

 

Nach dem Essen beziehen wir das Zimmer und schlafen….. Um vier aufgewacht und die Wolken haben ein wenig aufgerissen. Den Militärweg durch die 52 Tunnels „Strada delle 52 Gallerie“ wollen wir noch etwas von oben erkunden.

Strada delle 52 Galleries

Die 52 Tunnels vom Eingang in die Gallerie wurden von verschiedenen Sprengkommandos verdeckt vor des Feindes Augen in den Berg getrieben. Die Porte Pasubio stellte den logistischen Knotenpunkt dar.  Es entstand ein richtiges Bergdorf (auch klein Mailand genannt) am steilen Abhang der für den Feind nicht einsehbaren Seite. Es gab eine Wasserversorgung und Elektrizitätzversorgung und außerdem war die Kleinstadt am Pasubio der zentrale Kommunikationsknotenpunkt. Dem entsprechend kamen hier mehr Kommunikationsleitungen zusammen als in einer Kleinstadt. Hier kamen zwei Militärstraßen (von Passo Xomo und Passo Fugazze), der Tunnelweg von der Bocca de Campigla und zwei Seilbahnen zusammen. Am Eingang in den obersten Tunnel gibt es eine Barriere und ein Verbotsschild für Fahrradfahrer. Wir laufen die ersten ein bis zwei Kilometer den Weg  hinunter. Imposant wie er in den Fels hineingeschlagen wurde und unsicht bar vor dem Feind in einer ausgeschlagenen Felskante verläuft. Die Tunnels sind stockdunkel und haben ein starkes Gefälle. Immer wieder gehen  Abzweigungen tiefer in den Fels als Rückzugsort, oder Munitionslager hinein. Um sieben Uhr erreichen wir wieder die Hütte. Auf der anderen Seite der Porte Pasubio geht die Sonne unter und der Himmel färbt sich rosa. Die Abendstimmung ist nur von kurzer Dauer. Um acht gibt es wieder einmal ein sehr reichhaltiges Abendessen. In der Hütte wird um 22:30 der Strom abgedreht. Gott sei Dank hält der Akku zum Schreiben noch durch.   

 

 

Tag 3 – Porte Passubio (Rif. Papa) – Riva del Vallarsa 22 km / 730 Hm (04.10.17)

 

Um halb sieben ging plötzlich das Licht wieder an. Der Wirt hat den Dieselgenerator eingeschaltet. Das Wetter hat sich beruhigt. Es ziehen dicke Wolkenschwaden om Tal hinauf.

Aussicht aus dem Fenster der Rif. Papa

Wir sind die einzigen Gäste und geniesen die ganze Fürsorge des Hüttenteams. Schade dass es auf der gut geführten Hütte die Getränke nur aus Pappbechern gibt.  Nicht nur aus ökologischem Aspekt ein Desaster, sondern auch beim zweiten Viertele Vino Rosso. Dieser löst die Verklebung des Einwegpappbechers zuverlässig auf und sickert so auf den Tisch durch. Je schneller man trinkt um so weniger gelangt auf den  Tisch – gute Lösung so bekamen wir das Problem in den Griff. Nach reichlichem Frühstück schwingen wir uns gut ausgeruht auf die Sättel. Die Morgensonne wärmt uns den Rücken und wir können die Hälfte unserer Radlkleidung wieder im Rucksack verstauen.

Die ersten Meter heute Morgen führen über die Militärstraße

Rechts von der Militärstraße passieren wir den Arco Romana, so wie es aussieht ein Platz zum Gedenken an die hier gefallenen Soldaten.

Arco Romano

Am Ende Militästraße ist noch die von Schützengräben umgebene Kommandokaverne zu sehen. 

Selletta Comando

Jetzt geht es auf einen richtigen Gebirgstrail. Auf und ab über die Hochfläche tragen, schieben und fahren wir.  Auch die Gämsen haben uns entdeckt und flüchten den Hang hinunter. Der Trail fordert unsere ganze Aufmerksamkeit, da sich fahren und tragen im bergigen Gelände ständig abwechseln.

Heute ist viel tragen angesagt

Meine Kette springt zwischen Speichen und Zahnkranz und wir müssen eine Reparaturpause einlegen. Mit schwarzen, schmierigen Händen geht es weiter in Richtung der Rifugio Lancia. Diese befindet sich bereits im Winterschlaf und wir sind froh gestern schon am Rifugio Papa die Etappe beendet zu haben.

Auf dem Weg zum Rif. Lancia

Das Wetter ist perfekt und wir sind gespannt wie die als „geilste Abfahrt alpenweit“ angekündigte Abfahrt von der Foxi Scharte mit unserem Fahrkönnen harmoniert. Bevor der Abfahrtsrausch  beginnen kann müssen wir das Rad noch einige Höhenmeter zur Bocca delle Corde (1894 ü NN) hinauf tragen. Von dort aus beginnt eine schwindelnde Querung oberhalb der senkrecht abfallenden Felsen entlang zur Bocca del Foxi (1720 ü NN).

Aussicht von der Bocca delle Corde

Ein kurzer Blick in die Tiefe und das Serpentinen Abenteuer kann beginnen. Im Steilhang reiht sich eine Spitzkehre an die andere und es bedarf maximaler Aufmerksamkeit um nicht über den Weg oder Lenker hinaus zu schießen.

Serpentinensteilhang

Kurve um Kurve bekommen wir mehr Sicherheit. Mit Eintritt in den lichten Laubwald wird der Trail ebener und perfekt fahrbar. Im Drift- und Geschwindigkeitsrausch verfliegen die 1150 Höhenmeter und wir erreichen mit deutlich riechbaren Bremsen den Ort Angehebeni. Von hier aus geht es über den Fluß und auf der anderen Talseite auf Asphalt wieder den  Berg hinauf. Nach der kargen Gebirgslandschaft sind die kleinen Orte S. Anna und Steineri eine willkommene Abwechslung.

Ort S. Anna

Hier im Tal ist es angenehm warm. Es ist Zeit für eine Pause und wir fahren das Hotel Passo Buole an. Endlich Mittag, Pasta und ein Cappuccino. Dann weiter noch 1000 beschwerliche Höhenmeter  hinauf zur Rifugio Zugna – dachten wir uns. Durch Zufall erfahren wir dass die Hütte umgebaut wird und deshalb geschlossen ist. Es gibt keine weitere Möglichkeit dazwischen oder danach zu übernachten. Das bedeutet erneutes Umplanen. Wir bleiben hier im Hotel Passo Buole und werden morgen den Monte Zugna überqueren und weiter ins Valle Adige abfahren.

Hotel Passo Buole

Am Nachmittag schauen wir noch die „sieben“ Häuser, eine Kirche und zwei Museen (geschlossen wie alle Hütten) an.

Tagesziel Riva del Vallarsa

  Alles recht überschaubar – auch das Treiben vor dem Hotel, welches den zentralen Treffpunkt für die Dorfbewohner darstellt. Nach so wenigen Höhenmetern und so frühem Etappenende geht es den Beinen gut und wir freuen uns auf morgen. 

… so fühlen wir uns heute

 

 

Tag 4 –Riva del Vallersa – Serravalle 27 km / 1180 Hm (05.10.17)

 

Helmut hat gestern mit der Wirtin des Hotel Passo Buole (720 ü NN)  hart verhandelt. So durften wir als einzige Gäste des Hauses bereits um halb acht frühstücken. Das Wetter wieder top – Sonnenschein.

Ort Riva del Vallersa 

Die ersten Kilometer folgen wir der Fahrstraße nach Ometto. In einer Spitzkehre biegen wir in einen Waldweg ab. Die Waldarbeiter haben uns ein Geschenk gemacht. Die Raupe steht mit Schlüssel startbereit da.

… das Geschenk der Waldarbeiter

Nur leider waren unsere Fahrräder nicht unter zu bringen und so zogen wir weiter immer den  bergauf in Richtung Passo Buole (1450 ü NN). Schon bald danach bereuen wir das Angebot der Waldarbeiter ausgeschlagen zu haben. Es geht steil bergauf. Das Rad muss auf den Rücken.

Das gehört leider auch zur Radtour

So wandern wir Spitzkehre um Spitzkehre 450 Hm hinauf zum Passo Buole. Gut durchgeschwitzt erreichen wir die einsame Passhöhe.

Passo Buole

Hier führt nur ein Fahrweg hinauf. Der Herbst hat Einzug gehalten und der Laubwald leuchtet in gelb roten Farben.

Der Passo Buole hatte im ersten Weltkrieg für die italienische Front eine zentrale Bedeutung. Von hier oben wurden die beiden Nachschubwege der österreichisch-ungarischen Armee blockiert, so dass die so genannte  Strafexpedition der Österreicber beendet war. Wir ziehen weiter zum ebenfalls strategisch wichtigen Berggipfel, dem Monte Zugna.

Monte Zugna Trail

Erst über den ehemaligen Militärweg, dannn über einen schmalen Trail. Die Aussicht ins 1500 m tiefer liegende Etschtal ist beeindruckend. Auch die schneebedeckten Gipfel des Chevedale und der Ortlergruppe sind am Horizont zu erkennen.

Aussicht ins Etschtal und die verschneiten Gipfel z. B. Cevedale

Noch beeindruckender ist, wie sich der Weg in schwindelnder Höhe um die Südflanke des Monte Zugna windet.

… und wieder tragen auf den Monte Zugna

Noch eine kurze Spitzkehrenkasskade und dann erreichen wir die Abzweigung zum Gipfelaufsteig. DerGipfel und die Nordflanke des Monte Zugna war 1916 von den Österreichern belagert und nur wenige Meter dahinter am Passo Buole haben sich die italienischen Soldaten verschanzt.

Blick vom Gipfel des Monte Zugna

Wir steigen zum Gipfel hinauf und lesen die sehr gut illustrierten Tafeln zu den historischen Ereignissen. Vom Gipfel hat man einen grandiosen Blick ins Vallersa Tal, hinüber nach Osten auf den Pasubia, welchen wir gestern überquert haben und hinunter ins Etschtal nach Rovereto.

Trail am Monte Zugna in schwindelnder Höhe

Kurz bergab zum nahe gelegenen Rifugio Zugna. Wie wir gestern bereits erfahren haben ist die Hütte wegen Renovierung geschlossen. Die warme Mittagssonne lädt zuneiner ausgiebigen Pause ein.

Brotzeit

Erst als die Wolken den Hang hinauf ziehen und es feucht und kühl wird, machen wir uns auf den Weg ins Tal. Die Abfahrt übersteigt alles was ich bisher mit meinem Rad gefahren bin. Erst geht es noch recht flüssig bergab. Dann wird es steil, stufig und verblockt. Unterhalb von 800 m geht der Weg über Felsbänder und blockige Steine geradlinig steil hinunter ins Etschtal. Helmut und ich sind uns einig, so etwas sind wir in unseren Altmühltal- Trainingsrunden noch nicht gefahren.

Trail vom Ref. Zugna nach Marco

Unfallfrei und nach einigen Handerholungspausen erreichen wir den Talort Marco. Noch nie habe ich beim bergab fahren so schwitzen müssen. Wir steuern direkt den Dorfbrunnen an um unsere heißen Köpfe und Hände abzukühlen. Anschließend fahren wir noch eine Kilometer an der Etsch entlang, trinken einen Cappuccino in der Bike Bar von  Chizzola.

Bike Bar

 

Nur wenige hundert Meter entfernt, am anderen Etschufer liegt unsere Unterkunft Residenz Zugna in Serravalle.

Hotel Zugna in Serravalle ist auch ein Legoshop

Ruhig wird es nicht – Brenner Autobahn, Bahnstrecke und Regionalstraße alles direkt vor dem Hotel. Aber Ruhe hatten wir ja in den letzten Tagen genug. Ach ja, leider haben wir heute kein Froschbild passend zu unserem Gemütszustand gefunden. 

Aprébike

Das Bild trifft es auch ganz gut. 

 

Tag 5 – Serravalle – Monte Altissimo 37 km / 2320 Hm (06.10.17)

 

Heute wollen wir die Königsetappe der Tour auf den Monte Altissimo in Angriff nehmen. Aus dem Etschtal sind 2300 Hm auf 33 Kilometer. Wenn alles klappt übernachten wir im Rifugio Altissimo direkt auf dem Gipfel des Monte Altissimo 2060 m ü NN. Um sieben sind wir pünktlich beim Standard-Pensionsfrühstück. 7:35 sitzen wir auf dem Rad und nehmen dieersten 600 Hm nach Saccone auf der gut frequentierten Fahrstraße in Angriff.

Erste Pause in Saccone

Die Steigung von über 13% treibt uns schon am frühen Morgen den Schweiß ins Gesicht. Das Tagesziel den Monte Altissimo mit der 400 m hohen Spitzkehrenkaskade stets vor Augen. Das Wetterwieder einmal perfekt. Die Sonne scheint und wir dürfen meist im Schatten bergauf fahren. In Saccone haben wir die ersten 600 Höhenmeter überwunden und machen eine kurze Pause. Erbarmungslos führt die Straße bergauf und endet nach einigen Serpentinen in Polsa. Wir machen einen Abstecher zur wunderschönen Malga Susine.

Malga Susine

Halbzeit endlich eine richtige Pause mit Käse, Speck Brett’l und einem leckeren Cappuccino dazu.

 

 

Pause an der Malga Susine

Es ist jetzt viertel vor zwölf und wir nehmen den zweiten Teil der 2300 Höhenmeter in Richtung Monte Altissimo in Angriff. Die Fahrstraße endet in Polsa und der Sentiero della Pace führt über eine spektakulären Militärweg.

Verfallenes Militärgebäude am Rande des Militärweges

Der Blick ins 1400 m tiefer liegende Etschtal erreicht seinen Höhepunkt am „Horn des Schrecken“.

Militärweg am „Horn des Schreckens“ mehr als 1000 m tiefer das Etschtal

Dann windet sich der Weg durch drei Tunnels und mehrere Spitzkenren hinauf zu einem Sattel.

Tunnel am Militärweg

Südlich von uns verdichten sich die weißen Kumuluswolken zu einem dunklen Wolkenband. Doch der Wind bläst kräftig von Nord. Das Wetter müssen wir im Auge behalten um nicht in ein Gewitter zu geraten. Es folgt eine Abfahrt zum Passo San Valentino und dem gleichnahmigen Ort.

Helmut bei der Abfahrt

Hier treffen wir auf die ersten Radfahrer. Es sind Rennradfahrer die hier auf den asphaltierten Bergstraßen trainieren. Das schlechte Wetter ist in Sichtweite, aber es reicht nicht zu uns herüber. Es sind noch 5 km bis zur Bocca del Creer (1617 ü NN). Nach einigen hundert Höhenmeter erreichen wir das Rifugio Graziani an der Bocca del Creer.

… das Ziel – der Gipfel des Monte Altissimo

Deutlich ist hier bereits der Gardaseetourismus zu spüren. Cabrios, Motorräder und Tageswanderer treffen sich hier. Wir nutzen die Gelegenheit um uns mit einem Cappuccino für die letzten 400 Höhenmeter zu stärken. Die vielen Spitzkehren sehen schlimmer aus als sie tatsächlich sind.

Aufstieg zum Monte Altissimo

Schon nach der zweiten Kehre wird der Blick frei zum Gardasee. Sehr beeindruckend – aus 1700 m Höhe blicken wir über den Monte Baldo hinweg bis zum südlichen Ende des Gardasees.

Erster Blick im Gegenlicht auf den Gardasee

Der Aufstieg ist fahrbar und wir sin schon nach einer Stunde am Ziel – dem Refugio Altissimo.

Rifugio Altissimo

Ein eisiger Wind aus Nord w

… geschafft – angekommen auf dem Monte Altissimo

eht uns entgegen. Ein freundlicher Italiener schießt noch einive Bilder von uns und dann verschwinden wir auch schon in der Hütte. Es ist fünf Uhr und ich möchte noch den kompletten Gardasee sehen. Von der Hütte aus steige ich noch wenige Meter zum Gipfel des Monte Altissimo hinauf. Es bietet sich eine grandiose Aussicht.

Gardasee Abendstimmung

Gardasee von Riva im Norden bis Sirmione im Süden, Ledrosee, die Berggruppen Adamello, Brenta, Sella, Marmolata und natürlich die Ziele der vergangenen Tage wie Pasubio und Monte Zugna alles im 360 Grad Panorama zu sehen. Wahnsinn, die Höhenmeter haben wir alle geschafft – es waren über 8000 m. Auch auf dem Altissimo wurde gekämpft. Der Gipfel ist von Schützengräben umgeben. Der eisige Wind treibt mich zurück an den warmen Ofen der Hütte. Auch hier ist nicht viel los. Wir sind vier Gäste plus vier Personen Hüttenpersonal. So nun werden wir eine hoffentlich ein nicht all zu kalte Nacht auf 2000 m Höhe verbringen. 

 

Tag 6 – Monte Altissimo 20 km 60 Hm (07.10.17)

 

Es ist 7:15 Uhr und hinter den westlichen Bergen, dem Pasubio Massiv) kündigt sich die aufgehende Sonne an. Blickt man durch die kleine Scharte zwischen den Berggipfeln, so kann man das Mittelmeer als weißen Strich erkennen.

Sonnenaufgang am Monte Altissimo

Bei klarer Sicht ist auch Venedig erkennbar. Draußen ist es eiskalt – die Temperatur lag heute Nacht unter dem Gefrierpunkt.  Schon nach wenigen Minuten gelangen die ersten Sonnenstrahlen über das Pasubio Massiv und lassen das Rifugio Altissimo in einem goldgelben Licht erscheinen.

Rifugio Altissimo in der Morgensonne

Der Sonnenaufgang am Gipfel ist überwältigend und kann ich nur jedem der diese Tour selbst fährt empfehlen.

Riva del Garda in der Morgensonne

Das Frühstück in der Rifugio Altissimo fällt spärlich aus. Eines möchte ich gerne noch anmerken – nicht dass ich sie nicht mag, nein im Gegenteil, Stehtoiletten sind sehr hygienisch und ich finde diese Entsorgungsvariante in Hütten sehr gut. Nur für die Oberschenkelmuskulatur des mit 8000 Hm geplagten Mountainbikers ist die erste Etappe schon beim morgendlichen Toilettengang zu meistern. Wir machen uns um 8:15 Uhr auf den Weg und gehen noch einmal die paar Meter zum Gipfel um auf den Gardasee hinnuter zu schauen.

Gipfel Selfie auf dem Monte Altissimo

 

Panorama – Gipfel Altissimo

Riva del Garda liegt jetzt bereits in der Sonne.

… da ist der Gardasee

Dann treten wir die schwierigste Abfahrt der Mountainbiketour auf dem Sentiero della Pace an. Der berüchtigte Gipfelweg 601, der sich vom Monte Altissimo 2000 Höhenmeter bis nach Torbole windet. Seit den 90er Jahren ein Highlight für alle Mountainbiker.

Bei Mountainbiker bekannt der Trail 601 vom Monte Altissimo nach Torbole

Nach den ersten Metern wird uns klar, dass dies für uns sicher nicht das Highlight der werden wird, sondern der schwierigste und komplizierteste Teil mit vielen Schiebe- und Tragepassagen. Schon kurz nach dem Gipfel ist es sehr verblockt und steil und für unser Können und mit unserem Material nicht fahrbar.

… hier können wir noch fahren

So gehen wir auf Nummer sicher und schieben die gestern mühsam erarbeiteten Höhenmeter hinunter. Nach den ersten 250 Höhenmetern wird der Trail deutlich besser und die Schiebepassagen weniger. Wir rutschen und fahren an der Grenze unseres Könnens. OK – jetzt wissen wir auch, wenn im Mountainbike Magazin eine Tour mit schwer bezeichnet wird, dann ist diese auch wirklich schwer. Trotzdem nehmen wir ab 1700 Höhenmeter nicht die dort beginnende Fahrstraße ins Tal, sondern versuchen den 601 Trail zu fahren bzw. zu schieben.

… und noch eine Schiebepassage

Da wir sehr früh unterwegs sind begegnen wir den Downhill Profis noch nicht – diese kämpfen sich gerade die Asphaltstraße hinauf. Die Ausblicke auf den Gardasee sind trotz aller hohen Steinstufen und der Anstrengung unglaublich. A

Toller Ausblick

Auf etwa 700 Hm beginnt die offizielle Downhillstrecke des Seicentouno (601). Zu beginn gibt es noch ein paar modellierte Schwierigkeiten und dann geht es richtig zur Sache.

Zu Beginn gibt es noch einige modellierte Schwierigkeiten

Steil, felsig, voll verblockt stürzt sich der Trail in die Tiefe. Wir schieben und sehen ein, dass wir hierfür noch etwas mehr üben müssen. Ein tolle Erfahrung war es trotzdem – wie anstrengend und schweißtreibend auch bergab fahren sein kann.

Schiebepassage

Bis auf Helmut’s zwei kleine Überschläge ohne große Folgen erreichen wir sicher Torbole am Gardasee.

Zielphoto – geschafft

An der Strandpromenade von Riva lassen wir uns eine lang ersehnte Pizza und ein leckeres Eis schmecken und machen uns dann auf den Weg zum Busbahnhof.

Zur Belohnung ein Eis

Dort wollen wir die Rückfahrt nach Levico Terme organisieren. Alles läuft perfekt. Die Buslinie 332 bringt uns von Riva nach Trient und dann geht es im Bus 401 vom Busbahnhof in Trient weiter nach Levico Terme.

Unsere Rückfahrt zum Auto mit dem Bus

Nach drei Stunden interessanter Busfahrt durch viele Dörfer und Städtchen erreichen wir Levico Terme und radln die letzten 5 km zu unserem Startpunkt der Pension Rene. Erleichtert und etwas geschafft treten wir noch die Rückreise nach Ingolstadt an.

Am Ende waren es 182 km und 8000 Höhenmeter.

4 Kommentare zu “Sentiero della Pace- Friedensweg – MTB

  1. mitglied

    In meinen italienischen Krimis kocht die Mamma auch immer und es gibt auch immer Antipasti Primo Piatto, Secondo Piatto und Dolce, da müsst ihr schon durch, nur nicht schlapp machen…..
    Eine gute Fahrt weiterhin wünscht Stef

  2. km

    deine berichte wie immer ausführlich und so interessant, dass man meint, selbst dabei zu sein – nur o h n e mountainbike, mangels kondition. weiterhin viel kraft und spass, vor allem bestes radelwetter und immer abends eine spitzen schlaf- und essunterkunft (wie gehabt). grüsse aus dem im regen schwimmenden ruit, p+m

  3. mitglied

    Hallo ihr beiden,

    da habt ihr euch ganz schön was vorgenommen.
    Ich wünsche euch eine schöne Tour und viel Erfolg beim „Konditionsaufbau“.
    Möge sich der Muskelkater in Grenzen halten und nie das Vorderrad unter euch verschwinden (blaues Augenzwinkern).

    Gebt auf euch acht.
    Gruß Pierre

    1. mom0815 Autor des Beitrags

      Pierre, lieben Dank. Wir sind bereits am improvisieren. Die erste Hütte hat Ruhetag. Mal sehen, ob die Kondition bis zum nächsten Ort reicht. Halte die Stellung – Grüße Helmut & Olli

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